Wohin rollt die Blechlawine?

Im Osten um Ebersberg? Bisher spricht sich der Stadtrat geschlossen dagegen aus. Doch das Bauamt fände die Lösung praktisch. © b.goldner

Der innerstädtische Verkehr in Ebersberg und wohin die Blechlawine in Zukunft rollen soll, - das Thema ist heute noch genauso aktuell wie vor dem Bau der Südumgehung. Auch die Zeitungen beackern es seit Jahren. Für eine Reportage am 11. Okt. 2016 befragte die EBE-SZ einige mehr oder weniger prominente Kreisstadt-Bewohner nach ihrer "Utopie" für die Lösung der Probleme: "[...] Man stelle sich nun mal vor, es gäbe keine Richtlinien, keine Hindernisse und keinen politischen Widerstand. Die SZ Ebersberg hat diese Utopie als Grundlage für eine Umfrage unter den Landkreispolitikern genommen. Wie würden Sie die Verkehrssituation lösen wollen?" [...]

Zu der Reportage haben wir uns einige Gedanken gemacht:

Ortsvorsitzende Käte Moder:
Weiß die Autorin eigentlich wovon sie spricht? Welchen Verkehr meint sie? Es gibt in Ebersberg den Ost-Nord-Verkehr, den Ost-West-Verkehr und den innerörtlichen Verkehr.
Der Ost-Nord-Verkehr ist der Durchgangsverkehr der durch dilettantische Maßnahmen in der Vergangenheit noch immer unsere verwinkelte Kleinstadt durchströmt. Er kommt auf der B 304 aus dem Osten (Wasserburg) und hat die A 94 im Norden des Landkreises als Ziel. Seit Beginn der Diskussionen über Maßnahmen hat dieser Verkehrstrom den zahlenmäßig höchsten Kfz-Anteil am Durchgangsverkehr.
Allerdings kümmerten sich unsere Politiker in der Vergangenheit nur um den Ost-West-Verkehr, der ebenfalls aus dem Osten (Wasserburg) kommend aber München als Ziel hat. Gegen viele Widerstände wurde schließlich die Südumgehung gebaut. Uns wie von den Kritikern vorausgesagt, ist die Verkehrsentlastung der Innenstadt trotz viel Land- und Naturverbrauch nicht zufriedenstellend. So läßt die Reporterin BgM. Brilmayer auch sagen: „Unser Hauptproblem ist ja immer noch der Süd-Ost-Verkehr.“ Und „Mit einer Umgehungsstraße ganz außen herum, wäre das erledigt.“ Herr Bürgermeister! Ganz außen herum würde bedeuten, dass unsere Stadt mit einem Riesen-Straßen-Kreis umrundet wird, also auch die Südumgehung nochmals umfahren wird.

Übrigens, die Kategorie Innerstädtischer Verkehr hat den größten Anteil an allen Fahrzeugbewegungen in Ebersberg. Hierbei beginnen und enden alle Fahrten innerhalb der Stadt. Über die Reduzierung dieser Verkehrsart wurde nie nachgedacht.

Thomas von Sarnowski, Geschäftsführer des Bezirksverbands Obb.:
Utopie geht anders

Die Ebersberger SZ hat den Ersten und Zweiten Bürgermeister und den Vorsitzenden des Bundes der Selbstständigen in Ebersberg, einen Polizisten sowie Passanten am Marienplatz nach deren „Verkehrsberuhigungsutopien“ für die Kreisstadt gefragt:
Neben dem hehren Ziel eines „landkreiseigenen Gesamtverkehrskonzepts“, das schon vor sechs Jahren als Totgeburt in die leidige Verkehrsdiskussion geworfen wurde und dem netten Versuch mit „weiträumigen Umgehungen“ Kfz-Verkehr loszuwerden, bleibt nur eine letzte „Utopie“ der Befragten: eine  w e i t e r e  Umfahrung (diesmal im Osten) von Ebersberg.
Liebe Ebersberger SZ, das ist keine Utopie einer verkehrsberuhigten Kreisstadt – diese Umfahrung durch Endmoränenausläufer betrachten die Straßenbauer aus dem Rosenheimer Bauamt als die „wirtschaftlichste“ Variante.
Utopie wäre: Wir EbersbergerInnen lassen für einen Tag unser Auto in der Garage stehen – dann wäre auf einen Schlag mehr als die Hälfte des Kfz-Verkehrs weg von unseren Straßen – also mehr erreicht, als ein Autobahnring um die Kreisstadt je leisten kann – aber halt Utopie!

Ortsvorsitzende Bettina Goldner
Wunschkonzert
Eine weiträumige Umgehung, die Ebersberg vom Verkehr entlastet, die hätte sich unser Grüner Ortsverband schon vor 30 Jahren gewünscht – zu einer Zeit, da so ein Wunsch noch realisierbar war! Vergeblich haben wir damals eine Umfahrung der Kreisstadt über Albaching auf einfach auszubauenden bestehenden Straßen angeregt.
Mit der Verlagerung der B 12 weit nach Norden ins Isental ist dieser Zug leider abgefahren. Den Verkehr mehr oder weniger weiträumig um Ebersberg zu führen, ist heute nicht mehr möglich, da allenthalben Umwelt-, Landschafts-, Naturschutz und Bannwald dagegenstehen.
Was soll dann das von der SZ inszenierte „Wünsch-dir-was“, bei dem „Politiker“ (es waren ganze zwei, ergänzt durch Leute auf der Straße) befragt wurden, wohin sie sich die durch Ebersberg rollende  Blechlawine wünschen? Nur raus aus der Stadt!, war man sich einig, mehr oder weniger weit weg! Am besten, hokuspokus, wohl gleich auf den Mond.
Der Stadtrat hat vor drei Jahren über eine Nord-Süd-Entlastung der Kommune abgestimmt und keine der vorgeschlagenen überirdischen Varianten akzeptiert. Wir Grüne  bleiben dabei, dass ein Tunnel die einzige mit modernen Anforderungen an den Erhalt der Umwelt vereinbare Lösung ist. Im Unterschied zu Trassen durch unter Schutz stehende Landschaften wäre sie finanzierbar, technisch machbar und, gemessen an heutigen Standards, realistisch.