13.05.2017

Schlagzeilen wegen Tierqual: Bio-Schlachthof schließt

Im Schlachthof Fürstenfeldbruck wurden Tierrechte wie Tiere buchstäblich mit Füßen getreten. Nach anfänglichen Abwiegelungsversuchen stellte er jetzt seinen Betrieb ein.

Unverzichtbare Nahrung für den Menschen oder Mord am Fließband? © pixabay

Stundenlange Undercover-Videoaufnahmen belegen unfassbare Tierquälerei: Rinder und Kälber, die sich weigern, vorwärts zu gehen, werden mit Starkstromzangen traktiert, ein Mitarbeiter surft auf Schweinen, einer tritt einem Schaf, das sich in einem Gitter verfangen hat, mit dem Schuh ins Gesicht. Unzureichend betäubte Schweine zappeln am Schlachtband, bäumen sich auf … der Metzger dreht sich weg und pfeift ein Liedchen.
Bereits 2016 hatten Veterinäre des Landratsamtes Fürstenfeldbruck tierschutz- und baurechtliche Mängel in der Einrichtung festgestellt. An allen Schlachttagen war aber ein amtlicher Tierarzt anwesend und der Schlachthof selbst stellte sich  Bestnoten aus. Geschäftsführer und ÖDP-Kreisrat Max Keil sprach denn auch von einer „Kampagne“. Diese "Kampagne"der Medien hat nun dazu geführt, dass der Schlachthof geschlossen wird.

Besonders bemerkenswert:
> Rund 60% der in FFB geschlachteten Tiere stammten aus ökologischer Haltung. Das Fleisch wurde laut Bayerischem Rundfunk an umliegende Metzgereien („Unser Land“) sowie an Bioland, Naturland, Hofpfisterei-Landfrau und Alnatura verkauft.
> Der Landkreis hatte an dem Schlachthof eine stille Teilhabe mit einer Einlage von 150 000 € und dadurch sichere „gute“ Einnahmen.
> Als Referenzbetrieb des Fleischerverbandes bildete er sogar Metzger aus.
> Ein Zwischenergebnis der Sonderkontrollen Tierschutz, bei denen heuer über 30 Schlachtbetriebe überprüft werden zeigt, dass in zwei Drittel der Betriebe Tiere nicht ausreichend betäubt werden.
> Obwohl in den Jahren 2014 und 2015 in Bayern mehr als 400 Verstöße gegen den Tierschutz festgestellt wurden, gab es nur elf Bußgeldbescheide, die sich außerdem nie auf mehr als 1000 € beliefen, (bis zu 25 000 € sind möglich).

Seit mehr als einem Jahr fordert der Oberste Bayerische Rechnungshof die Staatsregierung auf, den Landratsämtern die Kontrollen der Schlachthöfe zu entziehen und auf eine neue Zentralbehörde zu verlagern. Die Kreisbehörden seien nicht nur überfordert, sondern ihre Distanz zu den Betrieben sei zu gering.
Fragt sich, wie viel Tierleid noch geschehen muss, bevor das Verbraucherministerium wenigstens dieser Forderung entspricht.

Bettina Goldner