Präsentation von Waltraud Gruber die sie 2014 anlässlich "30 Jahre GRÜNE Kommunalpolitik" zeigte

Als dienstälteste grüne Kommunalpolitikerin des Landkreises darf ich heute zu „30 Jahre Grüne Kommunalpolitik im Landkreis Ebersberg und mehr - ein Rückblick und ein Ausblick“ mit euch zusammen zurückblicken und auch nach vorne schauen. Ein Rückblick ist immer ein Blick in ein Stück Geschichte, die wir selbst miterlebt und selbst mitgestaltet haben. Dieses Stück Geschichte das ich heute in Erinnerung rufen will, hat die politische Landschaft in Deutschland und auch im Landkreis Ebersberg erheblich geprägt.

Angefangen hat alles schon früher. Sieben Mitglieder gründeten vor 36 Jahren den Kreisverband der Grünen im Landkreis. Damals hießen sie noch AUD/Die Grünen. Sie nannten sich die Unabhängigen. 

Die Ziele waren:„Schutz des Lebens, Sicherung des Friedens, die Wirtschaft muss den Menschen dienen, Volksherrschaft statt der Herrschaft des Geldes, echte Gleichberechtigung der Frau. 

Bald kamen mein Mann der Wastl Gruber und Gertrud und Reinhard Höpfner dazu und schließlich kamen Conni und Alexander Wilken und Georg Schweiger in den Kreisverband. Sie galten noch als echte Grüne Exoten in der politischen Landschaft.

Dieses Bild aus den Anfangszeiten ist leider nicht datiert.

Der zweite von vorne ist Stefan Ruoff, derzeitger Gemeinderat Vaterstetten.

Das ist einer unserer ersten Flyer. Dass wir keine GRÜNEN Spinner waren sieht man am Inhalt, der leider immer noch sehr aktuell ist. 100% aus Altpapier, das war selbstverständlich. Auch „wenn die Aufmachung nicht ansprechend war“

Wir hatten unsere Ideale, unsere Ideen und Träume und wir lebten sie auch. Wir haben Brot gebacken, stellten Käse her, bastelten Sonnenkollektoren im Garten, machten Sauerkraut ein, bauten unser Gemüse in Hügelbeeten an, vermieden Müll, den Rest sammelten wir, obwohl es noch kaum Entsorgungsmöglickeiten gab.

Das „Handbuch für Selbstversorger“ war mein Nachschlagewerk.

Wir kompostierten nicht nur im eigenen Garten, auch im Keller legten wir Spezialkomposte aus Kaffesatz (aus fairem Handel versteht sich) an. Die Phillips entwickelten einen Schnellkomposter und durch eine Glasscheibe konnte man die Aktivität der Würmer betrachten. Manche züchteten im Garten Hühner und sogar Schweine.

Der Kreisverband nahm an Mitgliedern zu.

Politisch setzten wir uns mit der Problematik der Aufrüstung, der Atomkraft, der Landwirtschaft auseinander. Wir klärten über das Waldsterben auf, wir kämpften gegen die A 94 durch das Isental und gegen die B 15 neu und gründeten eine Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung.

Wir waren ein buntes Volk, verschiedenste Themen haben uns zusammengeführt: Frauenrechte, Antiatomkraft, Friedensbewegung, Ökologie, Christentum, Esoterik, Tierschutz, Ernährung, Gesundheit u.v.m. All diese Themen wurden auch schier endlos diskutiert was oft zu langen turbulenten Sitzungen führte. 

Wie z.B. eine hitzige Diskussion zum Thema Feminismus.

Doch schließlich konnte unsere kommunalpolitische Geschichte beginnen. 1983 schafften die Grünen erstmals den Einzug in den Bundestag und 1984 ein Jahr später schafften in Bayern die ersten Grünen den Einzug in die kommunalen Parlamente.

Das ist unser erster Flyer für die Kreistagswahl 1984. Ein Auszug daraus „ Langfristiges Ziel alternativer Energiepolitik ist es, den Energiebedarf durch erneuerbare Energiequellen zu decken.“ – Ja, wir wussten damals schon wie entscheidend dieses Thema ist!

Und wir haben eine Liste mit 60 KandidatInnen zusammen bekommen.

In den Kreistag zogen dann Conni Wilken, Georg Schwaiger und ich ein.

Gemeinderäte wurden Jürgen Philipp für Zorneding, Alexander Wilken und Stephan Ruoff für Vaterstetten.

Exotisch war unser erster Antrag im Kreistag „ Einsatz der Bundeswehr zur Bekämpfung der Borkenkäferplage“.

Dann wurden wir konkret, wie z.B. mit unserem Antrag für ein Blockheizkraftwerk für das Ebersberger Kreiskrankenhaus . Das wir tatsächlich durchsetzen konnten.

Nach einem Jahr informierten wir in einer Zeitung über unsere Aktivitäten: wir hatte 12 Anträge gestellt.

Darunter die Themen Umweltbilanz, Blockheizkraftwerk für die Kreisklinik, Erstellung eines Umweltberichts, Umweltschutzmonatskarte beim MVV, Nutzung der Deponiegase und vieles mehr. 

Und so ging es weiter. Massenweise stellten wir Anträge: Änderung der Abfallwirtschaftssatzung, Kompostierung von Bioabfällen durch Vereine und Landwirte, wir versuchten den Sicherheitsstandard unserer Mülldeponie zu verbessern, wir forderten den Verzicht von PVC-haltigen Baumaterialien und und und.

Am Ende der 1. Wahlperiode hatten wir schon 99 schriftliche Anträge und Anfragen gestellt. 

1989 feierten wir uns schon in einem Sommerfest „10 Jahre GRÜNE“ und ich möchte euch die Fotos nicht vorenthalten.

1990 sind wir dann angetreten mit dem Ziel „Wir brauchen fünf“ womit wir den Fraktionsstatus erreicht hätten. Tatsächlich haben wir dann sieben GRÜNE Mandate im Kreistag erreicht: Traudl Höpfner wurde unsere Fraktionssprecherin für 12 Jahre.

Unser Landratskandidat war Georg Schweiger.

Es ist für uns bezeichnend, dass wir 18 Jahre lang mit Schorsch einen international erfolgreichen Schachspieler in der Kreistagsfraktion hatten. Damals wie heute denken wir eben ein paar Züge im Voraus und unsere Vorschläge von heute werden sich nach wie vor morgen bewahrheiten.

Mit dem Wahlerfolg von über 12 % wurden wir zu den Gewinnern der Wahl was mit „Lohn der Fleißigen“ kommentiert wurde.

Bei der Wahl 1996 präsentierten wir unser „Grünes Netzwerk“ mit Perspektiven für die Entwicklung im Landkreis. Weil all unsere Ideen aber nicht in so einem "kleinen" Flyer Platz hatten gab es auch eine 14-seitge Langfassung des Programms.

Wir konnten unser Ergebnis halten und erreichten wieder sieben Sitze im Kreistag.

Ich war damals Landratskandidatin und erreichte 11,8 %.

2002 präsentierten wir uns „ökologisch, modern und weltoffen“. Wir wollten „mehr GRÜN vor Ort.“

Das bewahrheitete sich leider nicht, denn die GRÜNEN sanken bundesweit in eine tiefe Flaute. Dieser Trend zeigte sich auch im Landkreis. Das Gute daran war, wir hatten endlich unser Ziel von 1994 erreicht „wir brauchen fünf“ und konnten nun fünf Mandate erreichen.

Benedikt Mayer war unser Landratskandidat.

Auch wenn er nicht Landrat geworden ist, so half ihm die Kandidatur doch den Sprung in den Kreistag von kleinen Emmering aus zu schaffen. Später dann ist er doch noch weiter gekommen – er ist nun unser Bundesschatzmeister.

2008 konnten wir dann mit „Jetzt. Für Morgen.“ punkten.

Wir haben so zugelegt, dass wir jetzt zu neunt im Kreistag sind.

 

Ich war Landratskandidatin und hatte mit 18,2 % ein überragendes Ergebnis, das sich in ganz Bayern sehen lassen konnte.

Weil der Landrat Gottlieb Fauth krankheitsbedingt zurücktrat war 2013 eine außerplanmäßige Landratswahl.

Unser Kandidat Reinhard Oellerer konnte, wie z.B. bei der Podiumsdiskussion im alten Kino, beeindrucken und zeigen auf welch hohem Niveau wir unsere Politik einbringen. Er erreichte trotz Abwärtstrend ein zweistelliges Ergebnis.

In dieser Wahlperiode 2008-2014 hat die amtierende neunköpfige Fraktion der Grünen mit ihrem Ideenreichtum, ihrer Kompetenz und ihrer klaren ökologischen Ausrichtung eine entscheidende Rolle gespielt – eine Fraktion mit Herz, Biss und Verstand.

Mit mehr als 60 Anträgen und Anfragen haben wir nicht nur viele Themen angestoßen, wir überzeugten in vielen Fällen auch die Mehrheit des Kreistags. Besonders stolz sind wir auf:

  • die Erarbeitung des umfassenden Mobilitätskonzepts
  • das Klimaschutzkonzept und den Beginn der Energiewende
  • die Einstellung des Klimaschutzmanagers
  • die Leitlinien für nachhaltiges Bauen und deren Umsetzung bei Schulbauten
  • den Ausbau der schulischen Ganztagsangebote
  • die Sozialarbeit an Realschulen und Gymnasien
  • das Bürgerinformationssystem www.lra-ebe.de/buergerinfo/
  • die Neufassung der Finanzrichtlinie zur Bewältigung unseres Schuldenbergs

Wir sind digital geworden.

Ein Blick auf die Homepage der Fraktion lohnt sich. Dort können alle Anträge und Aktivitäten nachgelesen werden die ständig aktualisiert werden. Unsere Web-Site ermöglicht einen fundierten Vergleich mit der Arbeit der Vertreter anderer Parteien.

Jetzt sind wir an einer Schnittstelle angelangt: wir verlassen das Gestern und wenden uns dem Morgen zu.

Mit unserem Motto „Grünen Ideen setzen sich durch“ wollen wir für die nächsten sechs Jahre die Kreistagspolitik auf dem hohen Niveau, das wir uns erarbeitet haben, weiterführen und weiterentwickeln. Welche Schwerpunkte wir in den nächsten sechs Jahren setzen wollen, dafür haben wir den richtigen bzw. auch einen ungewöhnlichen Rahmen gewählt – unser Kreistags-Wahlprogramm. Das mit dem Rahmen ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Anmerkung: Gemeinsam haben dann die 12 SpitzenkandidatInnen je einen Programmpunkt des Kreistagsprogramms vorgestellt, denn gemeinsam wollen wir in den nächsten 6 Jahren auch die GRÜNEN Themen im Kreistag einbringen. Und das Ziel, 12 Grüne KreisrätInnen zu bekommen ist ein Ansporn für uns: 1 Waltraud Gruber, 2 Reinhard Oellerer , 3 Christine Gerneth, 4 Philipp Eikerling, 5 Angelika Obermayr, 6 Bendedikt Mayer, 7 Ilke Ackstaller aus Ebersberg, 8 Vincent Kalnin, 9 Melanie Kirchlechner, 10 Uwe Peters , 11 Margrit Pricha, 12 Franz Greithanner.

Einen weiteren Ausblick gaben die Wahlprogarmme/Flyer der einzelnen Ortsverbände, die sehr inhaltsstark, einfallsreich und ansprechend gestaltet wurden.

Vielen Dank , ich bin am Ende meines Vortrags angekommen.
Doch dieses Ende ist der Anfang der GRÜNEN Zukunft im Landkreis. Weiter so!

Ich möchte euch Mut machen mit meinem Leitspruch:

„Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom.“