Verantwortlich für diese inhaltliche Seite "Mobilität" ist Philipp Goldner, Stadtrat der Grünen in Ebersberg.

Mobilität im Landkreis Ebersberg

Mobilität ist ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens. Doch die Verkehrspolitik der vergangen Jahrzehnte ist dabei, unser Klima in den Abgrund zu steuern. Der Straßenverkehr trägt in Deutschland mit einem Anteil von über 17 Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen zur globalen Erwärmung bei. Und er beeinträchtigt unsere Lebensqualität tagtäglich: durch Lärm- und Feinstaubbelastung, durch Flächenverbrauch, durch Flächenzerschneidung und alljährlich durch Tausende von Verkehrsunfällen.

Daher gilt: Mobilität muss grüner werden. Im Fokus grüner Verkehrspolitik steht vor allem die Suche nach Alternativen zum Auto. Wir Grüne fordern insbesondere für Städte und die verdichteten Metropolregionen einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr und eine moderne Rad- und Fußgängerinfrastruktur. Das Kombinieren von Zug und Fahrrad muss zum gelebten Alltag werden. Schon heute hat etwa die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger keine direkte Teilhabemöglichkeit am PKW-Individualverkehr. Diese Zahl wird – bedingt durch den demographischen Wandel – weiter steigen. Der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) hat also nicht nur große ökologische Bedeutung, sondern auch eine wichtige soziale Komponente.

Der Landkreis Ebersberg liegt in der verkehrlich hoch belasteten „Europäischen Metropolregion München (EMM)“. In den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der LandkreisbürgerInnen auf fast 130.000 mehr als verdoppelt – in annähernd gleichem Maße haben auch die Verkehrsflächen zugenommen.

Im Jahr 2008 haben die Landkreis-Grünen das ausführliche Positionspapier Mobilitätskonzept für den Landkreis Ebersberg erarbeitet, das nach wie vor in allen Punkten aktuell ist. 

Straßen im Landkreis

Autobahnen: Im Landkreis liegt bei Vaterstetten ein kurzes Teilstück des mit bis zu 150.000 Kfz/24h enorm belasteten Münchner-Autobahnrings A99. Im Landkreisnorden führt vom AK München-Ost die A94 bis Forstinning. Seit 30 Jahren laufen die Planungen für einen Weiterbau der A94 bis Ampfing. Der Ausbau der bestehenden – unfallträchtigen – Bundesstraße B12 zu einer vierspurigen Schnellstraße könnte schon längst realisiert sein. Die CSU-Staatsregierung hält aber verbissen an dem verkehrstechnisch unterlegenen und ökologisch katastrophalen Neubau der Autobahn durchs Isental bei Dorfen fest. Das Teilstück Forstinning-Patstetten ist seit 2009 im Bau.

Bundesstraßen: Neben der B12 im nördlichen Landkreis führt die B304 auf rund 30 km in Ost-West-Richtung durch fünf Gemeinden im Landkreis. Zorneding und Ebersberg werden durch südliche Ortsumfahrungen umgangen. Die Grünen bekämpften diese Umfahrungsmonster jahrzehntelang und plädierten für eine großräumige Ableitung des Verkehrs östlich von Steinhöring auf die B12 bzw. A94. Damit wären auch die Verkehrszahlen in den anderen B304-Anrainergemeinden zurückgegangen und hätten massive Naturzerstörungen – unter anderem im Laufunger Moos/Ebersberg – verhindert.   

Staatsstraßen: Die Staatsstraßen 2080 von Aßling nach Markt Schwaben und die Staatsstraße 2081 von Egmating nach Markt Schwaben bilden die wichtigsten Nord-Süd-Straßenverbindungen im Landkreis. Die Staatsstraße 2080 hat die Staatsregierung als optimale Entlastung der Autobahnen vom Inntaldreieck bei Rosenheim zum Flughafen im Erdinger Moos und darüber nach Norden hinaus entdeckt. Sie versucht seitdem, den Staatstraßen-Anrainergemeinden Ortsumfahrungen schmackhaft zu machen. Wir Grünen sagen dazu: Wir wollen keine neuen Straßen, die uns mehr Verkehr in den Landkreis ziehen und Ökosysteme unwiederbringlich zerstören! Hier finden Sie Informationen zu den geplanten Ostumfahrungen in Grafing und in Ebersberg.

Schienenverbindungen im Landkreis

Seit 1972 verfügt der Landkreis über zwei S-Bahn-Linien (S2 und S4) mit elf Haltestellen. Der 20-Minutentakt ist auf dem S4-Ast lediglich bis Grafing-Bahnhof durchgängig. Wir fordern den sofortigen Anschluss des Mittelzentrums Ebersberg/Grafing an einen durchgehenden 20 Minutentakt, der viel Kfz-Verkehr zu den Haltestellen „Kirchseeon“ und „Grafing-Bahnhof“ verhüten würde.

Die Bahnlinie München-Markt Schwaben muss schnellstmöglich ertüchtigt werden. Hier fahren S- und Regionalbahnen auf den gleichen Gleisen. Gegenseitige Beeinträchtigungen sind so unausweichlich!

Insgesamt gibt es im Landkreis Ebersberg sieben Haltestellen, die von Regionalbahnen bedient werden. Vor allem die Linie von Grafing Bahnhof über Ebersberg und Steinhöring nach Wasserburg bedarf einer Attraktivitätssteigerung: Wir fordern eine Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Reitmehring und Wasserburg-Stadt und mindestens einen durchgängigen 1-Stunden-Takt.

Busverbindungen im Landkreis

Beim Busnetz gibt es im Landkreis vor allem zwei zentrale Schwierigkeiten: zum einen den Ebersberger Forst, der eine große Trennwirkung zwischen dem nördlichen und dem südlichen Teil des Landkreises darstellt und zum anderen die per Busverkehr schwer zu bedienenden dörflichen Strukturen, vor allem im Landkreissüden. In den weniger besiedelten Gebieten haben sich Rufbusse und Anrufsammeltaxis als Erfolgsmodell herausgestellt und sollen weiter ausgebaut werden. Grundsätzlich sollte an den S- und Regionalbahn-Haltestellen mit größerem Einzugsgebiet der Grundsatz „zu jeder Bahn ein Bus“ angestrebt werden. Wo möglich sollen verschiedene Äste der Münchner S-Bahn mit Bussen verbunden werden, wodurch doppelt so viele Anschlüsse von und nach München geschaffen werden können. Busse aus dem nördlich Landkreis sollen alle an der Kreisklinik in Ebersberg vorbeigeführt werden und frühestens in Kirchseeon enden bzw. beginnen. Die Kreisklinik und die gesamte Kreisstadt mit ihren diversen Behörden würde auf dieses Weise im ÖPNV näher an die westlichen Landkreisgemeinden und die Landeshauptstadt heranrücken.

Der Nachtexpress an den Wochenenden ist eine tolle Sache (nicht nur) für Jugendliche und lässt Eltern besser schlafen. Dieses Angebot muss größtmögliche Unterstützung vom Landkreis und den Kommunen erfahren! 

Radwegenetz im Landkreis

Radfahren ist preiswert. Das gilt für Nutzer und Infrastrukturbereitstellung gleichermaßen. Die Mobilitätskosten für Radfahrer sind sehr gering. Radverkehrsförderung ist preiswerter als die Förderung jedes anderen Verkehrsmittels.

Vor allem aber: Radfahren ist umweltfreundlich und leise und leistet somit einen großen Beitrag zum Klimaschutz sowie zur Verbesserung der Umwelt- und Lebensqualität. Wer Rad fährt, verhält sich zudem stadtverträglich, weil er bzw. sie wenig Platz beansprucht. Das Rad lässt sich gut mit dem öffentlichen Verkehr verknüpfen.

Trotz all der genannten Vorteile ist im Landkreis Ebersberg das Potenzial des Radverkehrs bei Weitem nicht ausgeschöpft. Dafür gibt es viele Gründe. Das Fahrrad als Verkehrsmittel wird in Politik und Verwaltung häufig noch unterschätzt, obwohl die Fahrtenfrequenz sogar einen leicht höheren Anteil am Verkehrsaufkommen als der öffentliche Personennahverkehr hat.

Wir fordern einen benutzerfreudlichen Ausbau der Radwege und der „Bike&Ride-Plätze“ im Landkreis. Eine kostenlose Fahrradmitnahme in allen Regionalzugverbindungen – wie in anderen Landkreisen üblich – sollte uns auch im Landkreis Ebersberg gelingen!

Foto: Peter Schulz, www.pixelio.de

Flughafen im Erdinger Moos

Die Luftfahrt ist das Lieblingskind der Verkehrspolitik. Glaubt man der Flughafen München GmbH (FMG), braucht der Airport im Erdinger Moos eine dritte Start- und Landebahn. Angesichts der Höhe der Subventionen für den Flugverkehr und die emporschnellenden Fahrgastzahlen möchte man meinen, es gäbe kein Klimaproblem und die die Vorräte an fossilem Treibstoff seien endlos. Schon heute ist „MUC“ aber der größte Einzelemittent an CO2-Emissionen im Freistaat.

Die Ticketpreise beim Flugverkehr entsprechen vielfach nicht den volkswirtschaftlichen Kosten, die das Fliegen verursacht. Billigfüge auf Kurzstrecken verzerren den Wettbewerb zu Lasten der Bahn. Gleichzeitig ist der Flugverkehr eine der Hauptquellen von Treibhausgasen. Insbesondere durch den Ausstoß in hoch gelegenen Atmosphäreschichten ist das Fliegen ein besonders klimaschädliches Fortbewegungsmittel.

Aber abgesehen davon wären auch auf zwei Bahnen enorme Steigerungen der Flugpassagiere möglich, landeten im Erdinger Moos nicht Kleinstmaschinen. Der Londoner Flughafen fertigt auf ebenfalls zwei Bahnen jährlich doppelt so viele Passagiere ab (über 65 Mio. p.a.) wie der Münchner.

Die Lärmemissionen des Airports belasten die Bürgerinnen und Bürger bis in die nördlichen Landkreisgemeinden.

Ergo: Wir Grüne lehnen auf allen politischen Ebenen den Bau einer dritten Start- und Landebahn im Erdinger Moos entschieden ab!