Verantwortlich für diese inhaltliche Seite "Ernährung " ist Bettina Goldner, seit 2004 im Ortsverbandsvorsitz in Ebersberg und Autorin von "Umweltfreundlich vegetarisch"

Hofreiter will "faire Tierhaltung"

Die Massentierhaltung wird im Bundestagswahlkampf der Grünen eine entscheidende Rolle spielen. Fraktionsvorsitzender Toni Hofreiter hat eine "unerhörte" Forderung: Er will das Ende der Massentierhaltung in 20 Jahren. Dann soll kein Fleisch, kein Ei und kein Milchprodukt mehr aus Massentierhaltung kommen.

Aber lässt sich das System Massentierhaltung so einfach abschaffen? Die BR-Sendung quer machte den Realitäts-Check.

Juni 2016

Fleischfabrik Aschheim

Milchkühe auf ihrem letzten Weg ©aishwarrhya prakash

"Fleischfabrik Deutschland" heißt ein neues Buch von Toni Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag. Er selbst sagt dazu: " Die industrielle Massentierhaltung nimmt trotz des Biotrends immer gewaltigere Ausmaße an. Das schädigt massiv unsere Gesundheit, zerstört die Umwelt und quält Tiere. In diesem System nimmt Deutschland als einer der größten Fleischproduzenten Europas eine skandalöse Schlüsselposition ein. Dennoch marschiert die deutsche Agrarpolitik mit milliardenschweren EU-Subventionen in die falsche Richtung und verschlimmert die Situation zusehends. Mein Buch deckt die verheerende Funktionsweise der Fleischfabrik Deutschland auf."
Auch vor unserem Landkreis macht die Mega-Fleischproduktion nicht Halt. Laut Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten werden hier derzeit 135 000 Tiere zur Fleisch-, Eier- und Milchgewinnung gehalten. Der Bestand an "Nutztieren" ist damit in vier Jahren um ein Drittel gestiegen (Vgl. Artikel unten über Putenmastanlagen im LK) .

Nun soll konsequenterweise auch noch ein riesiger Schlachthof her (ins benachbarte Aschheim).
Dazu ein Leserbrief von Rosemarie Will, Grüne Stadträtin in Ebersberg:
"Die 1500 Tiere, die zukünftig tagtäglich in Aschheim geschlachtet werden sollen, verursachen mit Sicherheit ein hohes Verkehrsaufkommen, stinken hemmungslos in der Nachbarschaft herum, sind schuld am Wertverlust der umliegenden Grundstücke und führen unter Umständen dazu, dass ein flüchtendes Tier in seiner Todesangst die blühenden Maiglöckchen im Vorgarten des Nachbarn Möbelhaus zertrampelt. Kein Mensch wird es streicheln wollen, es wird erschossen.
Alle anderen werden mit einem hoffentlich funktionierenden Bolzenschussgerät betäubt, an den Füßen aufgehängt und durch das Aufschneiden der Hauptschlagader ausgeblutet. Bis dahin ist das Tier nur betäubt! Kaum ein Problem, weil dafür ja auch irgendwann Gewerbesteuer fließt und viele Arbeitsplätze, zwei Drittel im Billigsektor Schlachten und Zerlegen, entstehen. Ein heiß umkämpfter bayerischer Arbeitsmarktbereich! Allerdings ist damit gewährleistet, dass der Konsument seine tägliche Leberkässemmel bekommt, seine Currywurst, Schweinsbraten, Tafelspitz oder Lammkarree. Und seine Salami auch. Von diesen Konsumenten gibt es mehr als genug, sonst wäre so ein Mega-Schlachthof eigentlich überflüssig.
Auf seinem Teller liegt der Teil eines Tieres, das sein kurzes Leben lang keine Freiheit kannte, dafür aber Qual und Folter. Wer mutig ist, schaut sich vor dem Verzehr „seines Tieres“ die Schlachtung eines Tieres auf youtube an."

Juni 2016

Honig - ein gefährliches Lebensmittel?

Giftiger Nektar: Jakobskreuzkraut im Landschaftsschutzgebiet Oberes Eidertal ©kieler nachrichten

Honig wird gemeinhin als gesundes Lebensmittel gepriesen. Viele Honige enthalten aber sehr giftige Pflanzenstoffe in bedenklichen Konzentrationen. Darauf machen unter anderem der Bayerische Rundfunk und die taz aufmerksam. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) fand in neun Prozent von rund 1.300 Fertigware-Proben (gemischt aus verschiedenen Rohhonigen) hochgiftige Pyrrolizidin-Alkaloide (PAs). Sie gelangen in den Honig, wenn Bienen Nektar aus PA-haltigen Pflanzen saugen. Für die Bienen selbst besteht dabei keine Gefahr.
Besonders betroffen war Rohhonig aus Süd- und Mittelamerika. Alle 376 untersuchten Rohhonig-Proben aus Uruguay waren PA-positiv. Von den 815 chilenischen waren es immerhin 84 Prozent und von den 157 brasilianischen 83 Prozent. In Europa lag die Quote bei 59 Prozent.

Das BfR rät, dass niemand pro Tag im Schnitt mehr als 0,007 Mikrogramm ungesättigter PA je Kilogramm Körpergewicht essen sollte. Insbesondere "Vielverzehrer von Honig" nehmen möglicherweise aber größere Mengen auf. Als Vielverzehrer gilt bereits, wer bei einem Körpergewicht von 60 kg täglich im Schnitt 17g (!) Honig konsumiert.

PAs können in hoher Dosis tödlich sein. Weil sie sich im Körper anreichern, können sie auch schleichend zu irreversiblen Leberschäden führen, möglicherweise zu Krebs. Deshalb will die EU einen Grenzwert einführen, schreiben die Kieler Nachrichten

Deutscher Honig ist vor allem dann belastet, wenn er von Bienen stammt, die Nektar aus dem Johanniskreuzkraut gesaugt haben. Es wächst an Straßenrändern, vor allem aber auf den extensiv bewirtschafteten Flächen der Stiftung Naturschutz und breitet sich im Norden immer weiter aus.

Der Bayerische Rundfunk hat bereits mehrfach über die Gefahren durch Kreuzkraut, auch in Bayern, berichtet. "Die anspruchslose Pflanze gilt als eine Gewinnerin des Klimawandels. Und bis vor wenigen Jahren wurde das Kreuzkraut sogar extra angesät, um Straßenböschungen zu befestigen." Jetzt gelte eher: "Das einzige Mittel, das gegen dieses Kraut hilft, ist, es gnadenlos auszustechen."

In Schleswig-Holstein hat der Grüne Umweltminister Robert Habeck inzwischen angeordnet, das Gewächs zu bekämpfen. Beim Ausreißen sollten unbedingt Handschuhe getragen werden, warnte der Minister.

Bettina Goldner, Mai 2016

 

Strafanzeige wegen Glyphosat

Glyphosat am Egglburger See - und nichts ist mehr wie es war! © r.will
Milch: alles andere als gesund? © clipdealer

Dem Wiederzulassungsverfahren für den Unkrautvernichter Glyphosat seien wichtige Studien systematisch ausgeschlossen oder falsch interpretiert worden. Das behauptet das Umweltinstitut München e. V. und schließt sich der Anzeige der österreichischen Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 gegen den Glyphosat-Hersteller Monsanto und das Bundesinstitut für Risikobewertung an.
Die Angezeigten hätten im Zulassungsverfahren Studien falsch ausgelegt, um die Krebsgefahr zu vertuschen und so eine Wiederzulassung von Glyphosat zu ermöglichen. Es entstehe der Eindruck, dass Behörden und Hersteller Hand in Hand arbeiten, um Glyphosat mit allen Mitteln auf dem europäischen Markt zu halten.
Zum Verständnis: Die EU-Gesetzgebung schreibt vor, dass die in Pflanzenschutzmitteln enthaltenen aktiven Wirkstoffe mindestens alle zehn Jahre hinsichtlich ihrer Sicherheit für Mensch, Tier und Umwelt erneut überprüft werden müssen. Den Antrag auf Wiederzulassung für einen Wirkstoff reichen die Hersteller entsprechender Pflanzenschutzmittel bei der von der Europäischen Kommission zuvor benannten zuständigen nationalen Behörde ein. Im Falle von Glyphosat ist dies Deutschland.

Vorwürfe auch an Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Anders als bei den bewusst eingesetzten Pestiziden sei es bei ubiquitär verbreiteten Umweltgiften meist nicht möglich, die Rückstände in der Umwelt und in Lebensmitteln kurzfristig zu beeinflussen, heißt es in einer Verlautbarung des Schweizer Bundesamts für Gesundheit (BAG). Das BAG spielt konkret auf die Belastung unserer Lebensmittel mit Dioxinen und polychlorierten Biphenylen (PCB) an.
Nach BAG- Untersuchungen werden 92 % aller PCB- und Dioxin-Rückstände in Nahrungsmitteln aus Lebensmitteln tierischen Ursprungs aufgenommen. Am höchsten belastet sind Milchprodukte, die nach der BAG-Untersuchung 54 % dieser Gifte liefern. 35 %  befinden sich in Fleisch und Fisch. Nur 8 % kommen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln.
Ernährungsexperten und Tierrechtler erheben immer wieder den Vorwurf, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ignoriere bewusst diese Erkenntnisse. Provegan weist in diesem Zusammenhang auf die in den Beiräten der DGE-Sektionen reichlich vertretenen Interessenverbände von Milch- und Fleischerzeugern hin. "Durch vegane Ernährung könnten laut Oxford University jährlich 8,1 Millionen Menschen vor dem Tod bewahrt werden und die DGE rät von veganer Ernährung ab", schreibt provegan.

Anmerkung: Nach einer im Auftrag des Bund Naturschutz erfolgten Messung ist das Trinkwasser im Landkreis Ebersberg mit 0,08 ng/ml Glyphosat belastet (Grenzwert: 0,1 ng/ml). Interessant wäre ja auch, einmal das Glyphosat in der Milch zu messen, die in unseren Läden verkauft wird (vgl. Artikel unten vom Januar 2016).

Bettina Goldner, April 2016

Fleisch noch klimaschädlicher als angenommen

25mal so klimawirksam wie bisher angenommen ist brasilianisches Rindfleisch. Ein Kilogramm davon verursacht Treibhausgas-Emissionen wie eine Fahrt von 1600 Kilometern in einem Mittelklassewagen! © d.acker/bloomberg getty images

Nichts weniger als die "Nutztier"-Haltung abzuschaffen fordern Wissenschaftler der Universität Wien. In einem Interview mit GEO.de erläuterte Geophysiker und Ernährungswissenschaftler Dr. Kurt Schmidinger, dass die Klimabilanz von Fleisch noch wesentlich schlechter sei als bislang angenommen.

Zu den bisher bekannten Treibhausgasemissionen haben Schmidinger und Kollegen nämlich das missed carbon sink potential addiert. Darunter verstehen sie nicht realisiertes CO2-Speicherpotenzial: Landwirtschaftlich genutzte Flächen binden weit weniger CO2 aus der Atmosphäre als die natürliche Vegetation. Dass dieses Phänomen in den bisherigen Berechnungen nicht berücksichtigt wurde, finden sie erstaunlich. Das missed carbon sink potential sei im Schnitt genauso groß wie alle übrigen Emissionen der Tierhaltung zusammengerechnet. Bis zum Jahr 2050 ließen sich 80 Prozent der Klimastabilisierungskosten - 32 Billionen US-Dollar – einsparen, wenn wir auf die Nutztierhaltung ganz verzichteten, so die Wiener Wissenschaftler.

Fazit:„Wenn wir eine Gesamtbilanz aufstellen, die Welternährungssituation, Flächenverbrauch, Ökologie, Gesundheit und den Tierschutz einschließt, dann kann die Schlussfolgerung nur sein: Wir müssen weg von der Tierhaltung, hin zu einer effizienten Verwendung pflanzlicher Kalorien.“ 

Eine aktuelle Studie der Universität Oxford kommt zu ähnlichen Schlüssen: Würde sich die Weltbevölkerung rein pflanzlich ernähren, dann würden jährlich 8,1 Millionen weniger Menschen sterben; die Treibhausgasemissionen ließen sich um 70% reduzieren. Im Gesundheits- und sozialen Bereich würden bis zu 1 Billion Dollar eingespart.

Bettina Goldner, April 2016

 

Geschmack - eine Frage der Konditionierung?

Ohne Käse - geht das? ©happy-cheeze.com

Wissenschaftlichen Studien zufolge passen sich unsere Geschmacksnerven an die Ernährung an: Setzt man ihnen ein paar Wochen lang weniger fettige, salzige oder süße Speisen vor, signalisieren sie auch weniger Verlangen danach. Wenn das keine Motivation ist, sich gesunder, mit weniger Fastfood/Convenience-Produkten und weniger tierlichen Lebensmitteln zu ernähren!

Der Geschmack von Käse lässt sich laut Albert-Schweitzer-Stifung e.V. auf seine zwei hauptsächlichen Bestandteile zurückführen: Fett und Salz. Die Kombination dieser beiden Stoffe sei es, die Käse für viele Menschen so »unentbehrlich« macht.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich übrigens bestätigen, dass es weitgehend eine Frage der Konditionierung ("Gewohnheit") ist, wie man sich ernährt. Gewohnheiten und Vorlieben zu ändern, hängt ab von Einsicht, etwas Selbstbeherrschung und ...ein wenig Geduld.

Bettina Goldner, März 2016

Palmöl meiden, wann immer möglich!

Orang-Utans gibt es nur noch in den Regenwäldern Sumatras und Borneos
... aber auch dort ist ihr Lebensraum durch Plantagen gefährdet © rettet den regenwald (2)

Seit 1990 wurde ein Viertel der Regenwälder Indonesiens zerstört, rund 31 Millionen Hektar. Dies entspricht beinahe der Fläche Deutschlands. Hauptverursacher war die Palmölindustrie. Beinahe jedes zweite Produkt in unseren Supermärkten enthält Palmöl; es macht rund ein Drittel der weltweiten Pflanzenöl-Produktion aus.
Selbst Firmen, die sich zu gewissen Nachhaltigkeitskriterien verpflichtet haben, holzen nachweislich weiter Urwälder ab und legen Torfmoore trocken, heißt es in einem neuen Report von GreenpeaceDie Kriterien für
„nachhaltiges“ Palmöl (RSPO-Zertifizierung) seien viel zu lasch, um dem Raubbau Einhalt zu gebieten, behaupten auch andere Umweltverbände wie Rettet den Regenwald e.V.

In Biosprit und Futtermitteln
Über die Hälfte des in Deutschland verwendeten Palmöls wurde 2013 energetisch genutzt und floss vor allem in Dieseltanks. Was als „Biosprit“ bezeichnet wird, hat laut Greenpeace meist sogar eine noch schlechtere Klimabilanz als fossiler Kraftstoff.
Während in den Medien hauptsächlich über die Verwendung von Palm- und Palmkernöl in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Kraftstoffindustrie kritisch berichtet wird, weist eine Studie des Forums Nachhaltiges Palmöl (FONAP) auf einen weiteren wichtigen Marktsektor in Deutschland hin: Die Futtermittelbranche steht nach dem Energie- und Lebensmittelsektor an dritter Stelle im Gesamtverbrauch. Auch Fleisch- und Milchkonsum kurbeln also den Palmölverbrauch an.

Und es ist ungesund!
Nicht nur wegen der schweren Schäden, die der Anbau am Produktionsort verursacht, steht Palmöl in der Kritik. Das Bundesministerium für Risikobewertung warnt vielmehr vor den in raffinierten pflanzlichen Fetten, allen voran Palmöl, enthaltenen Glycidol-Fettsäureestern, die als gentoxisch und karzinogen gelten. Auf den hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren (fast 50%) in Palm- und besonders in Palmkernöl, der sich ungünstig auf die Blutfettwerte auswirkt, weist die Albert-Schweitzer-Stiftung e.V. hin. - Palmöl ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem wesentlich aufwendiger zu produzierenden und deshalb teureren Kokosöl, das in in Küche, Kosmetik und Industrie eingesetzt wird.

Greenpeace warnt allerdings davor, Palmöl generell durch andere Pflanzenöle, zum Beispiel aus Soja, Raps oder Sonnenblumen, zu ersetzen. Der Grund ist, dass für den Anbau anderer Ölpflanzen deutliche größere Flächen benötigt werden, um die gleiche Menge Öl zu erhalten. 

Generell sollte vielmehr weniger „Biosprit“ aus Ackerpflanzen gewonnen und Palmöl nachhaltiger produziert werden. Allen VerbraucherInnen rät Greenpeace: „Greifen Sie zu Bioprodukten und möglichst unverarbeiteten Produkten aus regionaler, saisonaler und ökologischer Produktion bzw. aus fairem Handel.“

B.G., Februar 2016

Biopionier Herrmannsdorf nicht mehr unumstritten

Muttersau im Kastenstand © soko tierschutz

Seit die SOKO Tierschutz e.V. aufgedeckt hat, dass es mit der artgerechten Tierhaltung im Vorzeige-Gut Herrmannsdorfer Landwerkstätten nicht so weit her ist wie behauptet, ist das Thema Tierhaltung in Biobetrieben in den Schlagzeilen. "Der Fall wird der gesamten Biobewegung Dampf machen. Er zeigt exemplarisch die anhaltenden Probleme mit der Tiergesundheit auch im Biostall", kommentierte die taz Ende Januar.

Das Verbraucherforum Utopia hält dem Biopionier die Stange: "Mit Attacken gegen vorbildliche Bio-Betriebe wie Herrmannsdorfer und der künstlichen Skandalisierung völlig normaler Vorgehensweisen schürt SOKO Tierschutz Misstrauen gegen Bio-Höfe – und schadet damit genau der Haltungsform, die tatsächlich Wert auf das Tierwohl legt", findet Utopia trotz aller Ungereimtheiten.

Die Reaktion des Herrmannsdorf-Betreibers Karl Schweisfurth auf die Anschuldigungen der Tierschützer? "Er hat die Vorrichtungen für die Kastenstände im Abferkelungsstall abmontiert und den Tierarzt gewechselt. Hätte er das auch ohne die Berichte gemacht?",  fragte die SZ am 6. Februar.

Der Biofleischpionier-Betrieb Herrmannsdorfer Landwerkstätten habe jahrelang seine Schweinehaltung mit falschen Angaben im Internet beworben, erinnert die taz. Wie das Bio-Unternehmen mit Kritikern umgeht, zeige ein Brief, den das Internetportal Animal-Health-online nach einem Artikel über den Skandal erhalten hat. "Darin droht ein Anwalt mit juristischen Schritten ´gegen rechtswidrige Berichterstattungen`– prophylaktisch, denn der Brief enthält keine Vorwürfe zu bereits erschienenen Texten."

Und schließlich noch der Hinweis auf den sehenswerten ARD-Video Menschenrechte für Tiere? , der die Frage stellt, ob wir Tiere überhaupt benützen dürfen.

B.G., Februar 2016

Exportorientierung der Fleischindustrie kritisiert

Keinesfalls an den Nagel hängen will Minister Christian Schmidt (CSU) die Fleischexporte

Wirtschaftliches Wachstum ist gerade in der Agrarwirtschaft kein probates Mittel zur Krisenbewältigung, findet der Kritische Agrarbericht 2016, die neue Ausgabe der alljährlichen Stellungnahme des AgrarBündnis e.V.  Vorgestellt wurde der Bericht auf der Internationalen Grünen Woche im Januar in Berlin. Insbesondere wenden sich die Autoren gegen die steigende Exportorientierung in der Fleisch- und Milchwirtschaft. Wenig gefallen dürfte das Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Der will dem Drängen des Deutschen Bauernverbands nämlich gerade folgen und Agrarexporte noch mehr fördern. Zwei Chefveterinäre sollen sich speziell um die Ausfuhr in den EU-Binnenmarkt sowie um Drittlandsmärkte außerhalb der EU kümmern.

Vegan ist "Megatrend"
Einem leicht fallenden Fleischkonsum stehen in Deutschland steigende Umsätze mit vegetarischen und veganen Produkten gegenüber. Der neue Agrarbericht bescheinigt insbesondere der veganen Ernährung den Status als »Megatrend«. Die zunehmende Nachfrage nach veganen Produkten insbesondere für den Bio-Bereich sieht der Report als Herausforderung. Allerdings sei die Verbindung Bio & Vegan kein »Konzept für die gesamte Vielfalt der ökologischen Landwirtschaft«. Weshalb eigentlich?, fragt die Albert-Schweitzer-Stiftung e.V. und bemängelt, dass diese Frage (wieder einmal) unbeantwortet bleibt.

B.G., Februar 2016

Klimawandel stoppen: Bayerische Landwirtschaft muss Beitrag leisten

23.000 Menschen demonstrierten im Januar in Berlin für die Agrarwende ©goodfodfarming flickr

In Deutschland gehen 16 bis 22 % der gesamten Treibgasemissionen (THG) auf das Konto der menschlichen Ernährung. Bis zu drei Viertel dieser Emissionen werden durch Produktion und –bereitstellung von Lebensmitteln, insbesondere die sog. „Tierproduktion“, verursacht, gefolgt vom Energieverbrauch der Haushalte und dem Handel. - Knapp ein Fünftel der Emissionen aus der deutschen Landwirtschaft kommen aus Bayern, legt die Landtagsfraktion der bayerischen Grünen in einem Positionspapier dar, das sie im Rahmen eines umfassenden Klimaschutzpakets auf ihrer Winterklausur erarbeitet hat.*

Vor allem bei folgenden landwirtschaftlichen Aktivitäten werden Treibhausgase frei:
- „Nutztier"-haltung, insbesondere von Rindern; Emissionen aus Fütterung und Verdauung (Methan)
· Lagern und Ausbringen von Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft (Methan und Lachgas)
· Emissionen aus Böden infolge der Stickstoffdüngung (Lachgas)

Zwar wird der THG-Ausstoß aus der Landwirtschaft in Bayern (weiter) zurückgehen; dies reicht aber bei weitem nicht, um die bis 2020 angestrebte Gesamtreduktion um 40% gegenüber 1990 zu erzielen, so die bayerischen Grünen. Sie fordern deshalb vor allem:
- bis 2020 soll der Ökolandbau einen Anteil von 20% an der Landwirtschaft bekommen
- das Ausbringen von Gülle muss streng kontrolliert werden (verpflichtende „Hoftorbilanz“),
- die Tierhaltung ist an die Fläche zu binden,
- die  Landwirtschaft darf nicht länger exportorientiert sein,
- das Grüne Programm zu Schutz und Renaturierung der Moore als CO2–Speicher muss umgesetzt werden.

B.G., Januar 2016

* Bei den 23 Mio. t CO2-Äquivalenten allein aus der bayerischen Landwirtschaft (Stand: 2010) ist die Klimawirkung importierter Futtermittel nicht berücksichtigt. Bundesweit machten Sojamehl/kuchen knapp 4 Mio. t THG-Äquivalente aus (Stand: 2007), wobei der Effekt der Landnutzungsänderung (Regenwald/Sojaanbau) noch nicht einmal eingerechnet ist.

Landwirtschaft zunehmend industrialisiert - auch und gerade in Bayern

Fleischatlas 2016 von BUND und Heinrich Böll Stiftung

Laut "Fleischatlas 2016 - Deutschland regional" wollen immer mehr Menschen nachhaltig Fleisch konsumieren. Doch die Realität der Fleischproduktion in Deutschland sieht anders aus: immer weniger kleine Höfe, immer mehr große Mastanlagen.
Das ist die Kernaussage des Fleischatlas 2016, einer gemeinsamen Veröffentlichung von BUND und Heinrich Böll Stiftung.

Die Studie wirft den Blick in die deutschen Bundesländer und zeigt beispielhaft, wie die gesellschaftlichen Ansprüche und die Realität der Tierproduktion auseinanderklaffen. In "diametralem Gegesatz" zur gesellschaftlichen Aufbruchstimmung für Nachhaltigkeit und Tierschutz ("Wir haben es satt!") stehe die Genehmigung immer größerer Mastanlagen. Höfesterben, Konzentrationsprozesse und  zunehmende Industrialisierung schreiten vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen in Rinder- und Schweinezucht massiv voran.

Informationen über neue Anträge für Mastanlagen werden nur widerwillig herausgerückt. Beispielsweise veröffentlicht Bayern keinerlei Daten. Bundesweit wurden für Schweine aber mindestens 720 000 neue Plätze beantragt, für Geflügel mindestens 10,8 Millionen.

Der neue Fleischatlas ist kostenlos zu beziehen oder als pdf herunterzuladen  

B.G., Januar 2016

Vegan und gesund ? !

Vegan fürs Herz © mematic.net

Die Veröffentlichung seines Ernährungsreports (s. u.) nutzte Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) schlagzeilenträchtig, wieder einmal davor zu warnen, dass sich Kinder und Jugendliche vegan ernähren. Gerne beruft er sich bei solchen Gelegenheiten auch auf die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.
Dem hielt Philosophin, Tierrechtlerin und Autorin Hilal Sezgin („Artgerecht ist nur die Freiheit“) in einem taz-Artikel entgegen: "Vollwertige vegane Ernährung ist in allen Lebensphasen möglich. Man muss nur wissen, wie. Bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfährt man das nicht. [...] Die Agrarlobby kämpft für den Erhalt des deutschen Wursthungers momentan an allen Fronten. Auch ich würde, wenn ich die Fleischindustrie stärken wollte, behaupten, dass ein Leben ohne tierische Produkte ungesund ist. Sachlich richtig würde es dadurch nicht.
"Man muss nur wissen wie"... sagt Hilal Sezgin. Viele Infos finden Sie dazu bei provegan.
Dort wirft Dr. med. Ernst-Walter Henrich dem Ernährungsminister sogar "staatliche Korruption" vor: "Die Partikularinteressen und die Profite der Landwirtschaft und der Tierindustrie sind für Schmidt nicht nur wichtiger als die Gesundheit der Menschen, sondern er missbraucht sogar seine Stellung als Ernährungsminister, indem er sofort nach der Einstufung von Fleisch als „krebserregend“ durch die WHO mit dreisten Lügen Lobbyarbeit und Werbung für die Fleischindustrie macht." (Vgl. u.s. Artikel vom Oktober 2015.)
Zum Thema vegan und Gesundheit schrieb Dr. Kim Williams, Präsident des American College of Cardiology, am 21. Januar lapidar auf seiner facebook-Seite: „Es gibt zwei Arten von Kardiologen: Veganer und diejenigen, die die Fakten nicht gelesen haben.“

Bettina Goldner, Januar 2016

Spaghetti die Leibspeise – aber weiter viel Fleisch

Die vegane Alternative: roasted red pepper pasta © minimalist baker

Mehr als ein Drittel der Deutschen isst am liebsten Nudeln und Spätzle. Mit deutlichem Abstand folgen Kartoffel- und Gemüsegerichte (jeweils 18 Prozent). Fisch, Salat, Pizza und Schnitzel stehen etwa gemeinsam auf Rang drei. Trotzdem kommen bei vier von fünf Befragten mehrmals die Woche Fleisch und Wurst auf den Teller.
Das ergab eine repräsentative Forsa-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). 1.000 BundesbürgerInnen ab 14 Jahren wurden dafür befragt. Die Ergebnisse stehen im BMEL-Ernährungsreport 2016: „Deutschland, wie es isst“. Demnach gilt:
- 47 Prozent der Männer essen täglich Fleisch – mehr als doppelt so viele wie bei den Frauen (22 Prozent). Immerhin: 10 Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen beschränken ihren Fleischkonsum auf einmal in der Woche. - Gerade einmal drei Prozent der Deutschen ernähren sich vegetarisch und verzichten konsequent auf Fleisch und Wurst. Bei den Frauen sind es sechs Prozent. Bei den Männern ist es nur ein Prozent.
- 85 Prozent der Frauen essen täglich Obst und Gemüse, von den Männern nur 66 Prozent.
- 22 Prozent der Männer und knapp ebenso viele die Frauen können Süßigkeiten nicht widerstehen. Bei süßen Limonaden sind Männer wesentlich unbeherrschter als Frauen (16 Prozent gegenüber 6 Prozent).
- Neun von zehn Deutschen, finden es notwendig, "Nutztiere" artgerechter zu halten. Fast alle Befragten wären bereit, mehr zu zahlen, wenn Tiere dafür besser gehalten würden.
- Je älter die Kunden werden, desto wichtiger wird ihnen, dass ihre Lebensmittel aus der Region kommen. Mit wachsendem Alter gewinnen auch "Siegel" an Bedeutung. (Über den Stellenwert von Bioqualität sagt der Report nichts Näheres.)
- In Haushalten mit mehr als vier Personen wird tendenziell mehr weggeworfen als in kleineren.
Ist  DAS gesund?
Reichlich optimistisches Fazit des Ernährungsministeriums: „Demnach hat eine gesunde Ernährung für viele Menschen einen hohen Stellenwert: Die überwiegende Mehrheit der Befragten gibt an, dass es ihnen gelinge, sich im Alltag gesund zu ernähren."
Was als gesund zu definieren ist – darüber ließe sich aber trefflich streiten. So macht Minister Christian Schmidt (CSU) schon im nächsten Satz auf die wachsende Zahl an Fettsüchtigen aufmerksam, insbesondere auf die Gefahr von Übergewicht bei Kindern. Auch die praktisch fehlende Thematisierung von Biolebensmitteln gibt in diesem Zusammenhang Rätsel auf.
Der Verbraucherberater Foodwatch e.V. wirft dem Minister zudem vor, die Befragung im Sinne seines (CSU-)Politikverständnisses manipuliert zu haben, d.h. im Sinne freiwilliger Selbstverpflichtungen der Unternehmen statt regulativer Vorgaben.

Bettina Goldner, Januar 2016

Das Totalherbizid Glyphosat: wie stark belastet es den Menschen?

Da wächst nichts mehr - Glyphosat hat gewirkt! © r. will

Einem Aufruf der Kampagne „Ackergifte? Nein, danke!“ folgend haben auch einige BürgerInnen aus dem Landkreis ihren Urin auf Glyphosat untersuchen lassen. Ziel der Aktion war, eine ausreichend große Datenbasis zu schaffen, um das Gesundheitsrisiko durch Glyphosat noch besser abschätzen und die Forderung nach einem Verbot des Pflanzengifts untermauern zu können.

Das Totalherbizid Glyphosat darf in Deutschland noch ausgebracht werden, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Krebsrisiko für wahrscheinlich hält. Das Pestizid steht im Verdacht, das menschliche Erbgut zu schädigen. Mit Sicherheit schädigt es massiv Insekten und Amphibien; es zerstört die Artenvielfalt, beseitigt Wildkräuter und raubt Tieren die Nahrungsvielfalt. Glyphosat-Rückstande befinden sich in unserem Trinkwasser und in der Hälfte aller Lebensmittel.

Um herauszufinden, ob, Glyphosat, das meistverkaufte Pflanzengift der Welt (Roundup), sich im Harn des Menschen anreichert, hatte »Ackergifte? Nein, danke!« die Aktion „Urinale“ gestartet. Zu diesem Zweck konnten Interessierte ihre Urinproben zusammen mit einem Fragebogen bei einem Labor eingereichen.

Die Ergebnisse im Landkreis sind sehr unterschiedlich, wofür noch Erklärungsbedarf besteht. Bei Rosemarie Will, Ebersberg, wurde ein Wert von 1,94 ng/ml festgestellt. Bisher ist noch kein Grenzwert im Harn des Menschen festgelegt. Wissenschaftler der European Food Safety Authority und von Risikobewertungsstellen in EU-Mitgliedstaaten haben mit der Akuten Referenzdosis (ARfD) von 0,5 mg Glyphosat/kg Körpergewicht aber erstmals einen pauschalen Wert für den Körper vorgeschlagen.

Liegt es am Trinkwasser?

Der Grenzwert im Trinkwasser, den das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) für alle Ackergifte festgelegt hat, liegt bei 0,1 ng/ml.

Dazu äußerte sich aktuell das Gesundheitsamt des Landkreises Ebersberg: "Nach der Trinkwasserverordnung hat der Wasserversorger das Trinkwasser auf solche Pflanzenschutzmittel zu untersuchen, deren Vorhandensein im betreffenden Wassereinzugsgebiet wahrscheinlich ist. Untersuchungsbefunde mit Glyphosat-Nachweis wurden dem Gesundheitsamt Ebersberg bisher nicht vorgelegt.“ Das Gesundheitsamt hofft jedoch, zusammen mit dem Wasserwirtschaftsamt im laufenden Jahr  „ein für jedes Wasserversorgungsunternehmen verbindliches spezifisches Untersuchungsprogramm erstellen zu können, das auch Untersuchungen auf Glyphosat enthält". 

Im Landkreis wird Glyphosat nach wie vor ausgebracht. Wir thematisierten das bereits vor fünf Jahren, siehe "Roundup auf Biowiesen" von September 2011.

Rosemarie Will, Klaus Schöffel, Bettina Goldner, Januar 2016

WHO: Verarbeitetes rotes Fleisch verursacht Darmkrebs

Tödliche Wurst © utopia/w.fotolia-bart

Verarbeitetes rotes Fleisch, beispielsweise in Salami, Frankfurter Würstchen, Schinken, Leberkäs oder Corned Beef, löst Darmkrebs aus. Das sieht die International Agency for Research on Cancer, eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), als erwiesen an. In einer Pressemitteilung stellt sie processed meat in eine Gruppe („Group 1“) mit Tabakrauch und Asbest als "carcinogenic to humans“. Für ihre Aussage wertete die Behörde rund 800 Studien aus.
Rotes Fleisch stammt von Rindern, Kälbern, Schweinen, Lämmern, Pferden und Ziegen. Ein täglicher Komsum von (nur) 50 Gramm verarbeitetem rotem Fleisch pro Tag erhöht das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent, Die Krebsgefahr steigt mit zunehmendem Verzehr. 
Unverarbeitetes rotes Fleisch bewertet die WHO als „wahrscheinlich krebserregend (Group 2A).
Über weißes Fleisch (Geflügel) trifft sie keine Aussage.

Das Verbrauchermagazin Utopia kommentiert: "Es ist weder Aprilscherz noch Panikmache und vielen wird bei dieser Nachricht der Wurstzipfel im Halse steckenbleiben."

Hoffentlich.

B.G., Oktober 2015

Es gibt Alternativen zum (Käfig)-Ei!

Logo der Käfigfrei-Kampagne ©albert-schweitzer-stiftung

Dem Einsatz vieler Tierschutzorganisationen ist zu verdanken, dass die großen deutschen Supermarktketten keine Käfigeier mehr verkaufen. Die Albert-Schweitzer-Stiftung, die sich mit ihrem Käfigfrei-Bündnis (auch) bei diesem  Thema besonders verdient gemacht hat, moniert aber, dass viele verarbeitende Betriebe die Tierquälerei in Form von Eipulver oder Flüssigei aus dem Ausland noch importieren, oder die letzten in Deutschland legal hergestellten Käfigeier verwenden.
Erst im Jahr 2025 (in Ausnahmen 2028) wird nämlich ganz Schluss sein mit jeglicher Legehennen-Käfighaltung in Deutschland, also auch mit den sogenannten Kleingruppen-Käfigen. Darauf haben sich Bund und Länder Anfang Oktober endlich geeinigt.
Auch die alternativen Haltungsformen seien allerdings weit weniger tiergerecht als der Verbraucher sich vorstellt. Deshalb verweist die Stiftung auf pflanzliche Alternativen zum Ei und versucht solche auch der Lebensmittelwirtschaft "schmackhaft" zu machen.
Als die besten Alternativen zum Ei nennt der Vegetarierbund Deutschland e.V. (VEBU):
Stärke-/Sojamehl, reife Bananen, Apfelmus, Leinsamen, Eiersatz-Pulver, Seidentofu, Johannisbrotkernmehl und Tomatenmark. Zum Würzen empfiehlt er Kala Namak und Kurkuma.

Bettina Goldner, Oktober 2015

"Reduktionswillige" Milchbauern sollten entschädigt werden

Zungenkuss © ph.goldner

Die Milchpreise befinden sich einmal wieder im Sinkflug. Die Grünen im Bundestag haben mit der Fraktion der Linken einen Antrag erarbeitet, den sie wie folgt erklären:

Damit die vielen kleinen und mittleren Milchbauernhöfe nicht sterben, braucht es geeignete politische Instrumente für Niedrigpreisphasen, die existenzgefährdend sind. Allerdings liegt die Lösung nicht darin, das europäische Problem sinkender Milchpreise durch Exporterstattungen auszulagern und zum Problem von Milcherzeugerinnen und Milcherzeugern in Drittstaaten zu machen, die mit billigen Milchpulver aus der EU nicht konkurrieren können. Auch das Erschließen von weiteren Exportmärkten ist keine Lösung – das haben die Entwicklungen der vergangenen Jahre gezeigt. Stattdessen plädiert die Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in ihrem gemeinsamen Antrag mit der Fraktion DIE LINKE. dafür, reduktionswillige Milchbauern zu entschädigen und damit Menge vom Markt zu nehmen. Zudem fordern die Fraktionen 50 Millionen Euro, um grünlandgebundene Tierhaltung zu unterstützen.

B.G., Oktober 2015

"Wasser ist ein Menschenrecht"

Logo der Bürgerinitiative

1,9 Millionen Unterschriften hat die europäische Bürgerinitiative gegen die Privatisierung der Wasserversorgung und für ein Menschenrecht auf Wasser gesammelt. Eine Mehrheit von Abgeordneten der Grünen/EFA-, sozialdemokratischen und linken Fraktionen im Europäischen Parlament hat die europäische Bürgerinitiative unterstützt. Konservative und Liberale im Eurpoaparlament versuchten vergeblich, die Bürgerinititative mit einer wahrlich verwässerten Alternativresolution zu Fall zu bringen.

Der Grüne Europaabgeordnete Claude Turmes sagte dazu: "Es ist höchste Zeit, dass es eine klare gesetzliche Grundlage gibt, die das Recht auf Wasser verankert und die Wasserversorgung von Freihandelsverträgen wie TTIP oder TISA ausschließt."

Der Grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sieht die EU-Kommission "jetzt erst recht in der Pflicht, einen Vorschlag vorzulegen, der die Forderungen der Bürgerinitiative aufnimmt." 

Hier erfahren Sie Näheres über das Abstimmungverhalten der Abgeodneten und die Hintergründe.

Siehe auch unseren Bericht vom Mai 2013 (bitte runterscrollen).

B.G., September 2015

 

Kennzeichnung: Wo kommt das Fleisch her?

Nicht allen Klontieren geht es so gut wie (anscheinend) Dolly, geb. 1996. Etwa 90 Prozent der Klone sterben im Mutterleib oder kurz nach der Geburt aufgrund von Missbildungen, Riesenwuchs und allgemeiner Schwäche. © AFP

Ähnlich wie die Eier soll auch Fleisch einfach, verständlich und verlässlich gekennzeichnet werden. Erkennbar muss sein, wo das Fleisch herkommt und wie die Tiere gehalten wurden. Das fordert die Fraktion der Grünen in einem Antrag an den Bundestag. Zusätzlich soll die Haltungskennzeichnung von Eiern und die Herkunftskennzeichnung bei Fleisch auf verarbeitete Produkte wie Nudeln und Wurst ausgeweitet werden.

Mit einem weiteren Antrag von Grünen, CDU/CSU und SPD wird die Bundesregierung verpflichtet, sich in Brüssel entschlossen für ein dauerhaftes Verbot des Klonens in der EU und des Imports von Lebensmitteln aus Klonen einzusetzen. Außerdem soll sie für eine umfassende Kennzeichnungspflicht auch für die Zuchtmaterialien (Sperma, Eizellen, Embryos) von Klontieren sowie die Produkte von Klonnachkommen sorgen.

B.G., Mai 2015

Ammoniak: Bundesregierung hat sich um Hunderttausende Tonnen verrechnet

Geflügelmast in Niedersachsen © peiner nachrichten

Jedes Jahr muss die Bundesregierung die Ammoniakemissionen an die EU-Kommission melden. Für 2010 bis 2012 hat sie sich um jeweils satte 100 000 Tonnen verrechnet. Die Grenzwerte wurden damit um rund ein Fünftel überstiegen. Das ergab eine Anfrage der Grünen im Bundestag.
Grund für die falschen Berechnungen waren zu niedrig veranschlagte Zahlen in der Geflügelmast sowie neue Emissionsfaktoren für das Ausbringen von Harnstoffdüngemitteln.

Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, verwies auf die hohe Tierdichte in einigen Regionen Deutschlands. Gerade im Bereich der Geflügelhaltung seien die Zahlen in den vergangenen Jahren regelrecht explodiert. "Das halten die Ökosysteme nicht länger aus. Wir brauchen dringend eine Rückkehr zu einer flächengebundenen Tierhaltung", sagte Ostendorff der Neuen Osnabrücker Zeitung. Nun drohe Deutschland Gefahr eines Vertragsverletzungsverfahrens durch die EU.

Der Bundesregierung wirft er neben schwerwiegenden formalen Fehlern vor, die Entwicklung mutwillig oder fahrlässig verschlafen zu haben. "Sie hat kein Konzept, wie die Ammoniak-Emissionen nachhaltig einzudämmen sind. Ganz im Gegenteil setzt sie in ihrer Export-Strategie sogar auf eine Expansion der Massentierhaltung, was eine weitere erhebliche Mehrbelastung durch Ammoniak zur Folge hätte."

B.G. April 2015

Milch - wem sie nutzt, wem sie schadet

Unser Milchkonsum - für die KÜHE bestimmt ungesund © reuters

Genau 31 Jahre hat die Milchquote "gehalten". jetzt wurde sie wieder aufgehoben. Der Deutsche Bauernverband freut sich darüber Die Bauern könnten ihre Kapazitäten besser auslasten und mehr Milch und Milchprodukte exportieren. Experten schätzen den globalen Milchmarkt als einen der dynamischsten Wachstumsmärkte der Welt ein, heißt es bei n-tv. Laut OECD und FAO werde die Nachfrage nach "hochwertigen" Milcherzeugnissen vor allem in den Schwellenländern in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen.  

Über die "Hochwertigkeit" von Milchprodukten lässt sich streiten. Mittlerweile mehren sich die Erkenntnisse, denen zufolge Milch ein für den Menschen unnatürliches Getränk ist und seiner Gesundheit alles andere als guttut.

B.G., April 2015

Grüne wollen Küken-Schreddern beenden

Pro Stunde werden in Deutschland 2400 männliche Küken vergast oder geschreddert, weil sie bekanntlich nicht zum Eierlegen taugen. © picture alliance

Rot-Grün in Nordrhein-Westfalen hat 2013 als erstes Bundesland verboten, männliche Küken systematisch zu töten. Das Verwaltungsgericht Minden setzte dieses Verbot aber außer Kraft, da hierfür eine Ermächtigungsgrundlage im Tierschutzgesetz fehle. Mit einem Antrag fordert die Fraktion der Grünen die Bundesregierung auf, diese rechtliche Lücke zu schließen.

Übrigens: Hühner sind äußerst liebevolle Mütter, die sich aufoperungsvoll um ihre Babys kümmern und mit ihnen kommunizieren, lange bevor diese das Licht der Welt erblicken. Die Kleinen piepsen sogar aus dem Inneren der Eierschale zurück, weiß animal equality.

B.G. April 2015

©foto: Siegfried_Lehnberg

08.04.2015: Von der Initiative „pro Moosach“ wurden anhand der am geplanten Standort des Schweinestalles aufgestellten Markierungen, virtuelle Bilder der geplanten Halle aus verschiedenen Perspektiven erstellt, die hier eingesehen werden können. 

«Mehr darüber lesen Sie hier...»

"Nutztier"-Haltung - Wendepunkt in Sicht?

"Auch ohne ausgesprochene Bosheit kann man großes Leid zufügen. Es reicht schon, wenn Einfühlung und Verständnis fehlen." © www.facebook.com_sproutavegan.jpg

„Die Studie liest sich in weiten Teilen wie ein Zusammenschnitt grüner Agrarpolitik der letzten Jahre“, sagt  Friedrich Ostendorff MdB, Sprecher der Bundes-Grünen  für Agrarpolitik,  über „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“, das neue Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik der Bundesregierung.

In vielen der gängigen Tierhaltungssysteme  besteht nach dieser Recherche ein hohes Risiko für das Auftreten von Schmerzen, Leiden und Schäden für die Tiere. Auch das Klima, die Reinheit der Gewässer und der Luft, die Artenvielfalt und die Wirksamkeit von Antibiotika seien durch die gegenwärtige Tierhaltung bedroht. Der Beirat empfiehlt, die Haltungsbedingungen tiefgreifend  zu ändern, also für mehr Platz, artgerechte Beschäftigung, Auslauf und ein Ende der Amputationen am Tier zu sorgen. 
Die Studie, so Ostendorff, "bestätigt unsere Haltung, dass die intensive Tierproduktion die Grenzen des Erträglichen weit überschritten hat – wir befinden uns an einem Wendepunkt.“ 

Maltraitierte Schweine

Ein Umdenken insbesondere bei der Schweinemast fordert Prof. Dr. Hubert Weiger,  Landesvorsitzender des Bund Naturschutz (BN) Bayern. Er bezieht sich vor allem auf eine Studie der Tierärztlichen Fakultät der Universität München an vier süddeutschen Schlachthöfen. Ihr zufolge leiden mehr als 90 Prozent der auf konventionellen Spaltenböden gehaltenen Mastschweine an entzündlichen Veränderungen der Beingelenke mit bis zu tennisballgroßen blutigen und eitrigen Geschwülsten. Über ein Viertel der Tiere haben verletzte Fußballen.

Ohnehin belasten die binnen weniger Wochen auf 110 kg Schlachtgewicht gemästeten Tiere ihre Gelenke über Gebühr. Durch den Spaltenboden wird das Problem verschärft. Unbedingt müsse man deshalb wieder zu einer Haltung auf Stroh-Einstreu zurückkehren, fordern die Tiermediziner. 
Eine Rückkehr zur Stroheinstreu könnte auch die Güllemengen reduzieren helfen und zur umweltfreundlichen Stallmistwirtschaft zurückführen, heißt es dazu vom BN. Anstatt die Fleischerzeugung weiter auf den Export auszurichten, was nur durch den Futtermittelimport aus Schwellenländern mit schweren Schäden für die dortige Umwelt und Bevölkerung möglich ist, fordert der BN eine an die vorhandene Anbaufläche angepasste Tierhaltung. Fazit: Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner müsse einen "Tierschutzplan Bayern" entwickeln, der die Vorschläge aus der Studie des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung in Bayern schleunigst umsetzt.

Bettina Goldner, April 2015

Artgerecht? Ist nur die Freiheit.

Waltraud Gruber und Sigi Hagl beim Ortstermin in Baumhau © w. goldner

Leserbrief zur geplanten Schweinemastanlage bei Moosach

In deutschen Ställen werden derzeit über 28 Millionen Schweine gemästet. Obwohl der Fleischkonsum eher rückläufig ist, wurden neue Mastanlagen mit mehreren zehntausend Plätzen genehmigt. Fast die Hälfte des Schweinefleischs wird ausgeführt; seit 2005 hat sich der Export nahezu verzehnfacht.

Über 95% der Schweine in Deutschland verbringen ihr ganzes Leben ohne Auslauf und ohne Stroh. Das heißt, sie werden ohne Einstreu auf perforierten Böden gehalten; die Spalten im Beton, durch die sie ihren Kot treten sollen, dürfen bei Mastschweinen 18 mm breit sein. Mindestens 3% der Stallfläche muss natürlich, der Rest durch Kunstlicht erhellt werden. Einem Mastschwein zwischen 50 und 110 kg Gewicht stehen 0,75 m² Platz zur Verfügung. Muttersauen werden als lebendige Gebärmaschinen die Hälfte ihres Lebens in Kastenständen fixiert.

Soweit die Gesetzeslage. Metzger Markus Murr verspricht in seiner geplanten Mastanlage in Baumhau bei Moosach den vorgesehenen 600 Mastschweinen nicht nur Einstreu, sondern auch doppelt so viel Platz wie vorgeschrieben, also 1,5 m², wodurch sich auch das Kupieren der Schwänze erübrige. Willi Mirus, zweiter Bürgermeister von Moosach, zeigt sich dementsprechend überzeugt, dass die Tiere dort „artgerecht gehalten“ würden.

Dies ist leider ein falscher Schluss. Ein Tier, das nur zweimal im Leben – für den Transport zur Mast und zum Schlachten - aus dem Stall kommt, kann niemals artgerecht gelebt haben. Auch die vergleichsweise „privilegierten“ Schweine in Baumhau werden sich nie im Schlamm suhlen, ihren Standort wechseln, Freunde und Partner suchen können. Sie sind fließbandmäßig erzeugt, konnten außer zum Saugen keinen Kontakt mit ihren (fixierten) Müttern aufnehmen, müssen täglich bis zu ein Kilo zulegen, bekommen vorbeugend Antibiotika und werden dann zu einem näheren oder ferneren Schlachthof gekarrt. Dort werden rund 10% der Tiere nicht richtig betäubt und lebend abgebrüht und zerlegt.

Wer bisher geglaubt hat, sein Schweinsbraten stamme von einem artgerecht gehaltenen und womöglich gar artgerecht ins Jenseits beförderten Tier, möge dies in Zukunft bedenken.

Bettina Goldner
Februar 2015

Zur Ortsbegehung der Initiative Pro Moosach kam viel grüne Prominenz, einschließlich die bayerische Parteivorsitzende Sigi Hagl.

Bayerns Grüne: Landwirtschaft zentrales Öko-Thema

v.l.n.r. Rosi Steinberger, Sigi Hagl, Christian Meyer, Eike Hallitzky

Das Thema "Landwirtschaft" ist erklärter Schwerpunkt der bayerischen Grünen in den kommenden Jahren. Bei der Auftaktveranstaltung im niederbayerischen Hohenthann betonte Landesvorsitzende Sigi Hagl: „Die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben, ist eine der zentralen ökologischen Fragen unserer Zeit“.

Gastredner Christian Meyer, der als Grüner Landwirtschaftsminister in Niedersachsen einer mächtigen Agrarlobby die Stirn bietet und für mehr Tierschutz eintritt, plädierte dafür, ähnlich wie bei frischen Eiern auch auf anderen Lebensmitteln die Herstellungsbedingungen anzugeben. Der Zwang, immer noch billiger zu produzieren, gehe zu Lasten der Landwirte, der Tiere und der Umwelt. „Wir setzen uns gegen das Höfesterben ein, gegen Lohndumping in den Schlachthöfen und für faire Arbeitsbedingungen", so der Minister.

B.G., Februar 2015

Grüner Antrag abgeschmettert: Putenqual wird nicht gelindert

Auch im Landkreis Ebersberg werden Tausende puten in qualvoller Enge gemästet © uschi_dreiucker www.pixelio.de

Alle so genannten Nutztiere wie Schweine oder Hühner unterliegen der Tierschutz-Nutztierverordnung, nur die Puten nicht. Ein Antrag der Grünen im bayerischen Landtag an die Staatsregierung, sich über den Bundesrat auf Bundesebene für eine Aufnahme der Puten in die Verordnung einzusetzen, scheiterte am Widerstand der CSU.

Nach dem Antrag müssten unter anderem die Bestandsdichte "tierschonender" gestaltet, den Tieren Beschäftigungsmöglichkeiten, Sitzstangen und Auslauf garantiert und die Medikamentenabgabe eingeschränkt werden. (Putenfleisch ist extrem mit multiresistenten Keimen belastet. Siehe Beitrag über Reserveantibiotika vom Januar 2015.) Auch auf EU-Ebene sollte sich die Staatsregierung für Mindeststandards bei der Putenhaltung einsetzen. Auf Landesebene zielte der Antrag darauf ab, das Schnabelkürzen bis zum Jahr 2017 zu verbieten.

Man müsse erst noch "intensiv forschen", um grundsätzliche Erkenntnisse über die Putenmast zu erhalten, findet dagegen die CSU.

B.G., Februar 2015

Grüne und Linke setzen sich durch: Verbraucher erfährt Herkunft von verarbeitetem Fleisch

Martin Häusling, Biobauer und Grüner Abgeordneter im Europaparlament

Mit großer Mehrheit hat sich das Europäische Parlament für die verbindliche Kennzeichnung von Fleisch in verarbeiteten Produkten ausgesprochen. "Verbraucher sollen selbst entscheiden dürfen, welches Fleisch sie essen wollen", so der agrarpolitische Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA, Martin Häusling. CDU/CSU und FDP sowie zwei Abgeordnete der AfD versuchten erfolglos, den Antrag zu blockieren.

Ab April dieses Jahres wird die Herkunftskennzeichnung von Frisch-Fleisch Vorschrift. Da aber zwischen 30 und 50 Prozent des in der EU verkauften Fleisches weiterverarbeitet sind, sei eine verbindliche Kennzeichnung auch hier dringend notwendig, erläutert Martin Häusling. Die EU-Kommission muss nun dem Votum des EU-Parlaments folgen und konkrete Vorschläge auf den Tisch legen. Das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten sehen Sie hier. Die Vaterstettener Europaabgeordnete Angelika Niebeler, beispielsweise, stellte sich auf die Seite der Lebensmittelindustrie und gegen die Interessen der Verbraucher.

B.G. Februar 2015

Kuhmilch - ein ungesunder Verkaufsschlager?

Für die Kuh ist Kuhmilch mit Sicherheit ungesund - jedenfalls wenn sie diese in absurden Mengen für Menschen produzieren muss. © guenter_havlena_www.pixelio.de

Kuhmilch gilt vielen immer noch als ein unverzichtbares Lebensmittel. Anlässlich des Weltschulmilchtages, am 24. September 2014, legten sich Politiker in ganz Deutschland wieder mal für die Milchwirtschaft ins Zeug. "Wir wollen unseren Kindern die Milch als gesundes und natürliches Fitnessgetränk nahe bringen, das zu jungen Menschen passt wie kein anderes", schwärmte beispielsweise der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Über das EU-Schulmilchprogramm wird nach wie vor für verbilligte Schulmilch gesorgt. „Wenn ihr weiterhin fleißig Milch trinkt, könnt ihr gut lernen und werdet g´scheite Erwachsene“, ließ  ein Bürgermeister im Allgäu die Schüler wissen. Für das Modellprojekt Schulfrühstück werden derzeit 100 Grundschulen in Bayern auf Staatskosten mit Milchprodukten und Obst versorgt.

Jahrzehntelang unkritisch

Sind tierische Proteine und Fette wirklich so wertvoll wie seit Jahrzehnten mit wachsendem Nachdruck und wachsedem Profit behauptet? Oder schlägt eine dankbare Agrarlobby aus einem Phänomen der Nachkriegszeit - alle waren hungrig und abgemagert - noch heute, und mehr denn je, gewissenlos Kapital?

Für Letzteres spricht eine ständig wachsende Zahl großer neuer Studien, zusammengefasst bei Vegan von Dr. med. Ernst Walter Henrich. Der Konsum von Milchprodukten schützt demnach nicht vor Osteoporose, aber begünstigt vor allem Prostata- und Brust- und Ovarialkrebs, leistet Wohlstandsleiden wie Fettsucht (Kinder!), Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten Vorschub und ist ursächlich mit vielen anderen Krankheiten verbunden, wie Parkinson, Multiple Sklerose, Alzheimer und auch mit Migräne und Akne.
Ein aktualisierter Bericht des Schweizer Bundesamts für Gesundheit liefert weiteren Zündstoff.  Danach stammten 92 % aller krebsauslösenden Giftstoffe in Nahrungsmitteln aus Tierprodukten. Am stärksten belastet sind Milchprodukte.

Bettina Goldner, Februar 2015

Bio statt billig!

Dr. Anton Hofreiter

Das schreibt Toni Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, auf Facebook: "Die bisherige Unterstützung für ‪‎Biolandwirtschaft‬ steht in keinem Verhältnis zur wachsenden Nachfrage.
Obwohl immer mehr Menschen Biolebensmittel kaufen, setzt die Bundesregierung auf ‪Massentierhaltung‬ und fördert ‪Billigfleisch‬-Exporte."
Anlass für sein Statement ist die derzeitige Biofachmesse 2015 in Nürnberg, auf der neben Zuwächsen der Biobranche vor allem ein starker Trend zu veganen Produkten registriert wird. Der gesamte deutsche Biomarkt legte laut Süddeutscher Zeitung 2014 um 5% auf knapp 8 Milliarden Euro zu. Für vegane Artikel (einschließlich Kleidung, Kosmetik etc.) betragen die jährlichen Zuwachsraten etwa 17%. Ihr Umsatz liegt bei über 700 Millionen Euro im Jahr.

B.G., Februar 2015

Bodenloser Umgang mit der Erde

Bodenatlas der Heinrich-Böll-Stiftung
Anhand von Fußballfeldern zeigt der Bodenatlas die Kluft zwischen Arm und Reich. In einer nachhaltigen Welt müsste jeder Mensch mit 2 "globalen Hektaren" auskommen. Der westliche Mensch benötigt heute mehr als doppelt so viel. © n. alexandratos, j bruinsma_bodenatlas

Ihrem "Fleischatlas" (s. Artikel unten vom Jan. 2012) hat die Heinrich-Böll-Stiftung zusammen mit anderen Institutionen jetzt einen "Bodenatlas" folgen lassen. Damit 10 cm Boden entstehen, braucht es 2000 Jahre, heißt es dort. Die kostbare Krume zu zerstören, geht wesentlich schneller, wie 150 Jahre Industrialisierung, Motorisierung, Versiegelung und intensive Landwirtschaft drastisch vor Augen geführt habe

Ohne den Schutz der Böden wird es nicht möglich sein, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, die Erderwärmung zu stoppen und das Artensterben aufzuhalten, mahnen die Autoren. Rund ein Drittel der weltweiten Anbauflächen werden heute für die Produktion von Tierfutter verwendet. Überschüssiger Stickstoff für das Düngen der Futterpflanzen und durch die Ausscheidungen der Tiere belastet Böden, Wasser und Luft. Der Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe geht ebenfalls auf Kosten von Biodiversität und dem Anbau pflanzlicher Nahrungsmittel.


Äcker sind auch gute Anlageobjekte in Entwicklungsländern geworden. Ausländische Investoren kaufen in großem Stil; die einheimische Landbevölkerung hat das Nachsehen.

 

Der Atlas zeigt Wege auf, es besser zu machen. Allerdings ist der politische Wille dazu noch kaum erkennbar. "Viel Hunger und Armut wären mit ein wenig Abaufläche aus der Welt zu schaffen".

B.G., Februar 2015

 

Grüne: Reserveantibiotika in der Tiermast verbieten!

Gegen diese Antibiotika sind Bakterien in Masthähnchen resistent © Heinrich Böll Stiftung

Reserveantibiotika können der "letzte Strohhalm" sein, wenn in der Humanmedizin schwere bakterielle Infektionen bestehen. Durch den Einsatz vor allem der Fluorchinolone in der Tiermast wird die Bildung resistenter Bakterienstämme begünstigt, so dass die Mittel beim Menschen möglicherweise nicht mehr anschlagen. Ein Dringlichkeitsantrag der Grünen im bayerischen Landtag, die betreffenden Antibiotika in der Tiermast zu verbieten, wurde letzten November abgelehnt.

Rosi Steinberger, Sprecherin der Grünen für Verbraucherschutz, wirft der CSU eine "gesundheitsgefährdende Blockadehaltung" vor. Die Grünen fordern die CSU-Regierung auf, sich an einer Bundesratsinitiative von neun Bundesländern zu beteiligen, die ein Verbot von Reserveantibiotika in der Tiermast anstreben. 

Putenfleisch extrem belastet

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung bekommen Masthähnchen in ihrem 39 Tage dauernden Leben an durchschnittlich zehn Tagen Antibiotika. Milchkühe erhalten die Medikamente innerhalb eines Jahres an 3,5 Tagen und Kälber an 1,2 Tagen, heißt es weiter auf Spiegel online. Meist werden kranke und gesunde Tiere gleichermaßen behandelt, um die Ausbreitung von Krankheiten in der drangvollen Enge der Mastanstalten zu verhindern. Resistenzen, die sich bei den Keimen in der Viehzucht entwickeln, könnten sich auch in der Humanmedizin verheerend auswirken.  

Von den bundesdeutschen Schweinemastbetrieben kommen laut NDR nur 20% ohne Antibiotika aus. Multiresistente Keime, vor allem auf Geflügelfleisch, haben in den letzten Wochen wieder Schlagzeilen gemacht. In der neuesten Recherche des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) waren 50 von 57 in Deutschland gekauften Putenfleisch-Proben stark mit Antibiotika-resistenten Keimen belastet. Zahlreiche bakterielle Infektionserreger kommen sowohl beim Menschen als auch beim Tier vor und sind wechselseitig übertragbar.

Antibiotische Leistungsförderer als Mastbeschleuniger sind seit 2006 EU-weit verboten. Dieses Verbot umgehen die Züchter, indem sie gesunden Tieren Antibiotika in geringer, also nicht therapeutischer Dosierung verabreichenen. So wird zum Beispiel die für eine Heilbehandlung von fünf Tagen vorgegebene Antibiotikamenge auf 15 Tage gestreckt, nur um die Mastergebnisse zu verbessern. Unter solchen subtherapeutischen Dosen entwickeln sich Resistenzen bevorzugt, erläutert Dr. Herman Focke, der das Veterinäramt im Landkreis Cloppenburg, der Region mit der größten Tierdichte Europas, leitet.

Bettina Goldner, Januar 2015


Biotechniker: TTIP und CETA werden Umwelt- und Verbraucherstandards senken

© netzfrauen.org

Agro-Gentechnik wird mit den geplanten Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada auch in Europa Einzug halten. Das ergab eine von der Grünen Bundestagsfraktion in Auftrag gegebene Studie, die von dem unabhängigen Münchner Institut Testbiotech e.V. durchgeführt wurde.

Wörtlich heißt es dort: "Auf der Grundlage des bekannt gewordenen Textes zu CETA, der auch als eine Blaupause für TTIP angesehen wird, muss angenommen werden, dass mittelfristig eine Aufweichung der Standards für Umwelt- und Verbraucherschutz im Bereich der Agro-Gentechnik droht. Es ist davon auszugehen, dass diese Konsequenzen sowohl der deutschen Bundesregierung als auch der EU-Kommission bekannt sind, auch wenn dies derzeit nicht öffentlich thematisiert wird."

Was wir eigentlich schon ahnten oder wussten, haben wir hier noch einmal schwarz auf weiß bekommen. Wie unter anderem: "Elemente wie das Vorsorgeprinzip, Maßnahmen zum Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft oder verbindliche Kennzeichnung von Lebensmitteln, um die Wahlfreiheit der Verbraucher zu schützen, werden nicht erwähnt und sind damit weder ein Ziel noch gemeinsame Grundlage für weitere Verhandlungen. Die Ziele der Vereinbarung sind vielmehr einseitig auf wirtschaftliche Interessen ausgerichtet."

B.G., Januar 2015

Lebensmittel-Informationsverordnung: Allergiker profitieren, Veganer nicht

Das V-Label gibt es für vegane und vegetarische Lebensmittel; es wird in Deutschland vom VEBU vergeben.

Seit Ende 2014 gilt europaweit eine neue Lebensmittel-Informationsverordnung. Für Allergiker bedeutsam: Bekannte Allergene müssen bei den Inhaltsangaben auf der Verpackung besonders hervorgehoben werden. Die Schriftgröße wurde auf 1,2 mm, bei kleinen Produkten auf 0,9 mm, festgelegt.

Zu den kennzeichnungspflichtigen Allergenen gehören glutenhaltiges Getreide,  Erdnüsse, Sojabohnen, Eier, Milch, Schalenfrüchte wie Mandeln oder Nüsse, Sellerie, Senf, Sesam, Schwefeldioxid und Sulfite, Lupinen, Weichtiere, Krebstiere und Fische.

Lebensmittelläden und Bäckereien müssen für unverpackte Waren, Restaurants und Caterer für sämtliche angebotenen Gerichte, schriftliche Angaben über die verarbeiteten potentiellen Allergene einsehbar bereit legen. - Vertreter der Gaststätten und ihrer Verbände protestierten bereits heftig gegen den ihrer Meinung nach unzumutbaren bürokratischen Mehraufwand.

Die verwendeten Zutaten und Zusatzstoffe in offenen Lebensmitteln brauchen allerdings nach wie vor nicht deklariert werden. Die EU hatte dies ins Ermessen der einzelnen Regierungen gestellt. Der deutsche Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) habe die Chance zu mehr Transparenz verspielt, kritisiert der Vegetarierbund Deutschland e.V.(VEBU).

Eine Angabepflicht für die Herkunft von verpacktem Rindfleisch gibt es schon länger. Ab April 2015 muss auch die Herkunft von anderem Fleisch deklariert werden. Für verarbeitete Fleischprodukte gilt das aber nicht.

Weitere Chancen für eine transparente Produktkennzeichnung wurden ebenfalls vertan, moniert der VEBU. Sein Haupt-Kritikpunkt: Die Begriffe "vegetarisch" und "vegan" sind immer noch nicht rechtsverbindlich definiert. Verlassen kann man sich laut VEBU nur auf die entssprechenden V-Labels der European Vegetarian Union. Produkte und Restaurants, die das V-Label erhalten haben, sind auf der Webseite des V-Labels zusammengestellt.

Bettina Goldner, Januar 2015

Erschreckende Stickstoffbelastung des Grundwassers

Das Umweltbundesamt zeigt sich alarmiert über die vielerorts steigende Nitratbelastung des Grundwassers. Hohe Stickstoffeinträge in die Böden sind ein Hauptgrund für das Artensterben im Pflanzenreich.

Verantwortlich sind künstliche Stickstoffdünger, Gülle und Jauche in der Landwirtschaft sowie der Straßenverkehr, insbesondere mit den Dieselmotoren. Sogar in Umweltzonen werden die zulässigen Grenzwerte nicht eingehalten; selbst die neuesten Dieselmotoren überschreiten die Vorgaben weit. Eine ursprünglich geplante Verschärfung der europäischen Luftreinhalte-Vorgaben wurde deshalb kurzerhand abgeblasen. Eher ließe sich über die Landwirtschaft Einfluss nehmen, heißt es. Das Umweltbundesamt rät dementsprechend dazu, die Düngeverordnung zu verschärfen.

In Bayern verfehlt ein Drittel des Grundwassers die Standards der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die Gesetzescharakter hat. Christian Magerl, MdL, nannte die einschlägigen Daten des Landesamts für Umwelt erschreckend. "Wir brauchen dringend schärfere Vorgaben und regelmäßige Kontrollen", so der Vorsitzende des Umweltausschusses im bayerischen Landtag.

B.G., Dez. 2014

Nitrat im Trinkwasser - auch bei uns

Massentierhaltung und Maisanbau gefährden unser Trinkwasser © jonathan_keller_www.pixelio.de

Jeder Liter unseres Ebersberger Trinkwassers ist mit 26,5 mg Nitrat belastet (gemäß letzter Angabe dazu im Internet vom September 2014). Der Wert liegt zwar deutlich unter den EU-weit erlaubten 50 mg/l, aber noch deutlicher über beispielsweise dem Münchner Wert von nur 7,5 mg/l. Kein Wunder, denn die Stadtwerke München haben seit 1992 150 Milchbauern im Trinkwasserschutzgebiet im Mangfalltal dazu bewegt, auf Bio umzustellen. Die Bauern halten nur so viele Tiere, wie sie mit dem Futter ernähren können, das sie auf ihren eigenen Weiden erzeugen; entsprechend gering ist der Gülleanfall. Auf Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutz wird in der ökologischen Landwirtschaft bekanntlich ebenfalls verzichtet.

Trotz vieler ähnlicher Initiativen lokaler Trinkwasserversorger in Bayern, die sich diese jährlich über 60 Millionen € kosten lassen, sowie eines 190 Millionen € schweren staatlichen Förderprogramms, sinkt die Trinkwasserqualität in Bayern weiter. Laut Landesamt für Umwelt könnte 2021 der Nitratgehalt von 38% des bayerischen Grundwassers über dem Grenzwert liegen. Grund ist eindeutig die generell wachsende Belastung der Böden mit Gülle und künstlichem Dünger - eine Folge von Massentierhaltung und zunehmendem Maisanbau.

Grüne fordern breite Gewässerrandstreifen

Einem drohenden Verfahren der EU begegnet Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) mit einer neuen Düngeverordnung, die Friedrich Ostendorff, Grüner Biobauer und MdB, als "bittere Enttäuschung" bezeichnet. Die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) setzt indes weiter auf freiwilliges Entgegenkommen der Bauern. Christian Magerl, für die Grünen im bayerischen Landtag, kann "die Worte Freiwilligkeit und Kooperation wirklich nicht mehr hören". Die bayerischen Fördermilliarden für ein Entgegenkommen der Landwirte wurden seiner Meinung nach in den Sand gesetzt. Als wichtige Maßnahme fordert er 10 m breite Gewässerrandstreifen, auf denen keine Gülle ausgebracht werden darf.

Bettina Goldner, Dezember 2014

Donauwörther "Schweinefabrik" vor dem Aus?

Vor allem eine Straathof-Ferkelfabrik in Gladau/Sachsen-Anhalt fiel den Behörden auf © animals angels

Behörden in Sachsen-Anhalt haben dem niederländischen Konzern Straathof, dem größten Schweinezüchter Europas, ein Haltungsverbot wegen Tierschutzverstößen in der Massenhaltung erteilt. Das Verbot gelte bundesweit, berichtet der stern, und betrifft womöglich sämtliche Betriebe, in denen Adrianus Straathof Geschäftsführer ist oder als Eigentümer Einfluss auf die Tierhaltung hat. Wird der Fall rechtskräftig, wäre davon mit der erst kürzlich in Betrieb genommenen Schweinefabrik „Reichertsweiler Hof“ bei Donauwörth auch ein bayerischer Standort betroffen.

Dazu Sigi Hagl, Landesvorsitzende der bayerischen Grünen: "Das Straathof-Verbot wäre für unsere heimische Landwirtschaft, Tierschützer und Verbraucher eine hoffnungsvolle und gute Nachricht. Wir brauchen hier keine Großinvestoren, keine Agroindustrie und keinen gülleverseuchten Böden. Deshalb werden wir uns dafür einsetzen, dass das Tierhaltungsverbot für Straathof in Bayern Anwendung findet und die Donauwörther Schweinefabrik schließen muss."

B.G. Dezember 2014

"Bio muss mehr sein als das kleinere Übel"

"Freilandhaltung" in Bergen, Niedersachsen © dpa

... heißt es in taz.zeo2 zu den jüngsten Skandalen um angeblich artgerecht gehaltene Tiere.  "In vielen Öko-Ställen stehen im Prinzip genetisch die gleichen Linien, die über Jahrzehnte einseitig auf Leistung selektioniert wurden. Hühner, die bis zu 330 Eier im Jahr produzieren und verrückt sind vor lauter Eierlegen." Dass in der industriellen Massentierhaltung alles noch "ein, zwei, drei Zacken übler" sei, vermöge auf Dauer keinen Trost zu spenden, sagt der Autor, ein "bekennender Biokäufer".

B.G., Dezember 2014

Neue Facebook-Gruppe: vegan@grün

We Animals heißt das Buch, aus dem dieses Foto stammt ©jo-anne mcarthur

Drei in der Tierrechtspolitik aktive Mitglieder des grünen Kreisverbands Ebersberg haben die Facebook-Gruppe vegan@grün gegründet. Deutschlandweit suchen sie Antworten auf diese Fragen:
- Warum enden die Diskussionen der Grünen um Erhalt der Ressourcen, Nachhaltigkeit, Klima, Ethik und Moral am Tellerrand?
- Warum verschließen (auch) die Grünen die Augen vor dem Leid der Tiere in unseren Ställen und Schlachthöfen?
- Warum verbreiten (auch) die Grünen weiter das Märchen, es sei möglich, massenhaft Fleisch von biologisch und regional gehaltenen Tieren zu gewinnen?
- Warum ziehen (auch) die Grünen keine Konsequenzen aus der Erkenntnis, dass mindestens ein Fünftel, wenn nicht gar die Hälfte der Treibhausgase aus der weltweiten „Nutztier“-Haltung stammt?
- Warum schert es (auch) die Grünen nicht, dass auf dem Boden, der Futtermittel für ein einziges Rind liefert, Nahrung für hundert Menschen erzeugt werden könnte?
Willkommen sind alle grünen und Grün-Affinen Veganer, und auch alle, die eine vegane Lebensführung anstreben, aber vielleicht noch nicht "den letzten Schritt" in diese Richtung gemacht haben.
Die Gruppe hofft, über facebook deutschlandweit MitstreiterInnen zu finden, und gemeinsam mit ihnen darauf hinzuarbeiten, "dass Vegansein (nicht nur) bei den Grünen in der Mitte ankommt, und schlicht und ergreifend Normalität wird".

Bettina Goldner, November 2014

"Abfall und Verschwendung"

 

 

Nur knapp die Hälfte eines zur Schlachtung vorgesehenen Tieres landet als Fleisch und Wurst bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Und selbst bei ihnen wird noch viel weggeworfen, heißt es im neuen "Fleischatlas extra" der Heinrich-Böll-Stiftung. Bitte lesen Sie hier.

Bayerns Grundwasser in Gefahr

Aus der Zeit gefallen - ein Gegenentwurf zur Massentierhaltung © r.will

Ein Fünftel des bayerischen Grundwassers ist schon heute stark mit Nitrat belastet. Einer Prognose des Landesamts für Umwelt zufolge wird sich der Zustand unseres Wassers weiter dramatisch verschlechtern. Für das Jahr 2021 ist eine starke Verunreinigung von 38% des Wassers zu erwarten, wenn weiterhin Gülle und andere stickstoffhaltige Dünger in unvertretbarem Maßstab ausgebracht werden. Betroffen sind alle durch Massentierhaltung und Maisabau für Biogasanlagen gekennzeichneten Regionen.

Christian Magerl, Grünen-Abgeordneter und Chef des Umweltausschusses im Landtag, bezeichnet die Analyse als "Bankrotterklärung der bayerischen Umwelt- und Agrarpolitik". Statt kleine und naturnah wirtschaftende Bauernhöfe und Biobauern zu unterstützen, fördere die Staatsregierung seit Jahren industrielle Großbetriebe, die nicht nur die Tiere leiden lassen, sondern zunehmend unser Grundwasser bedrohen.

Deutschland verletzt EU-Verträge

In einer Pressemitteilung weist der Bund Naturschutz Bayern e.V. darauf hin, dass die europäische Union im Juli 2014 die zweite Stufe eines Vertragsverletzungsverfahrens gegen Deutschland eingeleitet hat, weil es die Nitratrichtlinie der EU nicht ausreichend umsetzt. Um den angedrohten Strafzahlungen zu entgehen, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt eine Novelle der Düngeverordnung vorgelegt. Der BUND Naturschutz hält den vorgelegten Entwurf jedoch für unzureichend und fordert vom CSU Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmid und dem bayerischen Agrarminister Helmut Brunner, sich für massive Verbesserungen im Sinne des Natur- und Verbraucherschutzes einzusetzen.

„Wir fordern eine Düngegesetzgebung, die die Gewässerbelastung mit Nitrat und Phosphat aus landwirtschaftlicher Tierhaltung und Düngung wirksam begrenzt, und auch die Ammoniak- und Lachgasemissionen in die Atmosphäre reduziert“, so Hubert Weiger, BN Landesvorsitzender. Wesentlich ist dem BN, dass endlich die Tierbestände an die Fläche angepasst werden, so dass die anfallende Gülle sinnvoll für den Pflanzenwuchs zur Verfügung steht und nicht die Umwelt belastet (siehe dazu auch einen tragikomischen Beitrag in der Sendung "quer", Bayer. Fernsehen).

Bettina Goldner, Oktober 2014

 

Gentechnik und Freihandel - wie ticken unsere Abgeordneten in Brüssel?

Die zwölf Sterne Europas /© www.bauwissen.at_pixelio.de

Wie haben die deutschen Abgeordneten im Europaparlament im letzten Jahr bei Entscheidungen zu den Themen Gentechnik und Freihandel abgestimmt? Das Umweltinstitut München hat das Abstimmungsverhalten der Parlamentarier in einer umfangreichen Tabelle zusammengestellt und bewertet.

B.G., Mai 2014

Wahlprüfsteine zur Europawahl

"Sauwohl fühlen" - den wenigsten Artgenossen geht es so gut wie diesem Schwein in Südschweden © stephanie hofschläger/pixelio.de

Die Albert-Schweitzer-Stiftung e.V. hat neun deutschen Parteien für die Europawahl Fragen zur Tierhaltung in der Landwirtschaft vorgelegt. Sie betreffen zum Beispiel Mindesthaltungsstandards für alle "Nutztiere", strengere Schlachtverordnungen, die Förderung pflanzlicher Alternativen in der Ernährung oder die Herkunftsbezeichnung bei Lebensmitteln mit Eiern. Während die Grünen weitgehend tierfreundliche Standpunkte einnehmen, zeichnen sich CDU/CSU, SPD und allen voran die FDP durch eine reaktionäre Tierpolitik aus.

B.G., Mai 2014

"Vegan" und "vegetarisch" nicht rechtsverbindlich definiert

Im Bioladen © stefan bayer/www.pixelio.de

Die Bundesregierung wird sich nicht für eine baldige rechtsverbindliche Definition der Begriffe "vegan" und "vegetarisch" einsetzen. Mit ihrer Entscheidung lehnt die Bundesregierung eine Forderung des Bundesrats ab. Das federführende Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft begründet die Ablehnung unter anderem damit, dass Verbraucher bereits nach geltendem Recht die Möglichkeit hätten, "sich anhand von Verkehrsbezeichnung und Zutatenverzeichnis über die Zutaten eines Lebensmittels und somit auch über Inhaltsstoffe tierischer Herkunft zu informieren".
Der Vegetarierbund Deutschland VEBU kritisiert die Entscheidung des Ministeriums und fordert Umdenken.

Weder auf Bundes- noch auf EU-Ebene gibt es rechtsverbindliche Regeln, welche Lebensmittel als "vegan" oder "vegetarisch" bezeichnet werden können, so der VEBU. Das führe zu Verunsicherungen bei der steigenden Zahl von Menschen, die überwiegend oder ausschließlich Produkte und Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs konsumieren. Auch die Lebensmittelindustrie, die die Zeichen der Zeit erkenne und verstärkt pflanzliche Produkte anbietee, sei interessiert an einer verlässlichen und klaren Regelung.

Bettina Goldner, Januar 2014

EU-Vorschriften gefährden Sortenvielfalt der Kulturpflanzen

Bunte Vielfalt an Karotten - ein Kulturgut in Gefahr! © berggeist 007/www.pixelio.de

Genau wie beim Wasser versucht die EU, die seit Jahrhunderten festgeschriebenen Rechte der Menschen auf gesunde, artenreiche Lebensmittel zu beschneiden. Auch Bayern wäre davon betroffen.

Viele jetzt noch produzierende Biohöfe würden so keine Chance mehr haben, kostengünstig ihre Produkte anbieten zu können.

Wer mehr dazu wissen möchte schaue bitte auf die Seite www.saatgutkampagne.org und sehe sich den Film an

https://www.youtube.com/edit?o=U&video_id=wH15x24Y9rs

Doris Seibt, Dezember 2013

Saatgut-Vielfalt in Gefahr

"Arche Noah" fordert Revision der Saatgut-Verkehrsrichtlinien

In einem offenen Brief werden die Abgeordneten des Europäischen Parlaments dazu aufgefordert, eine Revision der Europäischen Saatgutverkehrsrichtlinien einzuleiten.

Die derzeit geltenden Regelungen haben zu einem massiven Verlust an landwirtschaftlicher Vielfalt in den letzten Jahrzehnten geführt. Die Sortenvielfalt für den Lebensmittelbereich wurde stark eingeschränkt. In der Überarbeitung des Europäischen Saatgutverkehrsrechts soll dem Schutz und der Förderung der Agro-Biodiversität hohe Priorität zukommen. Der zukünftige Saatgutmarkt sollte den unterschiedlichen Saatgutanwendern eine größere Sorten-Vielfalt zur Verfügung stellen. Wichtig wären samenechte Sorten, die an lokale Bedingungen angepasst sind. Dies würde dazu beitragen, den Verbrauch an Pestiziden, Düngemitteln und Wasser zu reduzieren und die Verschmutzung von Böden und Wasser einzudämmen. Damit wäre ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft getan.

Auch Sie können Ihren Beitrag zum Erhalt der Saatgut-Vielfalt leisten:

Der österreichische Verein „ARCHE NOAH“ hat einen offenen Brief zur Erhaltung der Saatgut-Vielfalt entworfen, der von Organisationen oder Einzelpersonen unterzeichnet werden kann.

Wenn Sie einen eigenen Garten haben, können Sie beim Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) Saatgut gefährdeter Sorten und Arten bestellen. Dabei verpflichten Sie sich, einen Teil des Samenertrags an den Verein zurückzugeben.

Links:
www.seedforall.org/de/offener-brief.html
www.nutzpflanzenvielfalt.de

Doris Seibt, September 2013

Artgerechte Tierhaltung ein Herzensanliegen der Grünen

Christian Magerl protestiert mit uns auf Waldtraud Grubers "Klimatour" gegen die industrielle Tierhaltung, Grafing, Juli 2013 © wastl gruber

Das Thema "Massentierhaltung beenden" rangierte ganz oben in der Prioritätenliste beim Mitgliederentscheid zur Bundestags-Wahl. Wenn es nach der Wahl zu Koalitionsverhandlungen kommen sollte, werden die Grünen das Thema auf ihrer Prioritätenliste haben. 

Die Online-Debatte zum Mitgliederentscheid gewann Marie-Luise Thierauf, Mitglied des AK Tierschutz im bayrischen Landtag, mit ihrem Plädoyer gegen Massentierhaltung und für artgerechte Tierhaltung!

 

B.G., Juni 2013

Massentierhaltung - großes Thema im Bundestagswahlkampf 2013

Broschüre "Gute Gründe gegen industrielle Tierhaltung" © gruene bayern

 

 

 

Der Arbeitskreis Tierschutz der Landesgrünen hat eine ausgezeichnete Präsentation zum Thema industrielle Massentierhaltung erarbeitet. Bitte seht sie euch an!

Putenmast kaum reguliert

Anfang des Monats hat die Tierrechtsorganisation Peta einen grausigen Undercover-Film aus einer deutschen Putenmastanlage online gestellt. 

Aus der dazugehörigen Online-Petition an Bundes-Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner:

[...] Unerklärlich ist die Tatsache, dass weder auf EU- noch auf nationaler Bundesebene für Puten juristisch verbindliche Richtlinien bzw. Verordnungen existieren, abgesehen von den Allgemeinregelungen in §§ 3 und 4 der Tierschutznutztierhaltungsverordnung [...] 

B.G. - Juni 2013

Die zehnte Putenmlastanlage im Landkreis!

Freiheitsliebende Tiere in qualvoller Enge © uschi_dreiucker www.pixelio.de

In einer neuen Anlage bei Frauenneuharting sollen demnächst 7.500 Puten gemästet werden. Das Landratsamt stuft sie als „landwirtschaftliche Tierhaltung“ ein und erteilte die Genehmigung. Bürgermeister Josef Singer (CSU) sagt: „Wir sehen das positiv“.
Alles andere als positiv finden wir Grüne im Landkreis diese Entwicklung zu noch mehr „Nutz“-Tieren und noch größeren Ställen -  werden doch bereits in neun Betrieben im Landkreis an die 17.000 Puten gemästet. Die konventionelle Putenmast, lehnen wir ab, genau wie jede andere Form der Massentierhaltung,: Die Tiere werden dort grundsätzlich nicht artgerecht gehalten, sie werden routinemäßig mit großen Mengen Antibiotika behandelt, was zur Bildung von resistenten Keimen führt, sie werden mit Kraftfutter gemästet, das aus industrieller Landwirtschaft oder gar abgeholzten Regenwaldgebieten stammt, und ihre Gülle belastet Boden und Gewässer. Die „Nutztier“-Haltung insgesamt ist mit einem Anteil von mindestens 20% (nach neuen Studien: über 50%) am Klimawandel beteiligt. 
Laut Landtagskandidatin Waltraud Gruber müssen wir uns zurückbesinnen auf eine bäuerliche Landwirtschaft: umweltverträglich, tiergerecht und gesund. „ Durch den hohen Fleischkonsum entsteht eine „Flächenkonkurrenz zwischen Teller und Trog. Tierleid, Antibiotikaresistenz, Flächenverbrauch und Klimawandel sind gravierende Folgen. Deshalb dürfen Massentierhaltungen nicht länger privilegiert werden“, so Gruber.
Fleischkonsum sei ohnehin ungesund behauptet Bettina Goldner vom Grünen Ortsverband Ebersberg: „Der Verzehr von Produkten vom Tier ist mitverantwortlich für zahlreiche Wohlstandskrankheiten von Fettsucht bis zu Diabetes, verschiedenen Herz-Kreislauf-, Krebs- und Gelenkleiden, nachzulesen etwa in der größten epidemiologischen  Studie zur Ernährung, der ´China Study`“.
Für die ständig wachsende Fleischproduktion gibt es allerdings in Deutschland gar nicht genügend Abnehmer. Dank einer verfehlten Subventionspolitik lohnt sich jedoch der Export: 2010 führten wir fast 3,7 Millionen Tonnen (!) Fleisch aus (2001 waren es noch 1,5 Millionen Tonnen). Beim Schweinefleisch sind wir schon Europameister. 

Fünf Puten teilen sich einen Quadratmeter 

Was speziell die Putenmast angeht, so werden drei bis fünf Tiere (mit zusammen knapp 60 kg Gewicht!) pro Quadratmeter zusammengepfercht. Sie haben keinerlei Möglichkeit, ihre natürlichen Verhaltensweisen, wie Flattern, Laufen, Scharren, Graben, Sandbaden auszuleben. Damit sie sich als Folge des Dauerstresses nicht gegenseitig attackieren, stutzt man ihnen ohne Betäubung die sensiblen Schnäbel. Zur Ruhe kommen die Tiere kaum, da sie bis zu 24 Stunden beleuchtet sind, was zu vermehrter Nahrungsaufnahme und schnellerem Masterfolg führt. Dem unnatürlichen Wachstum der Muskulatur (der Kunde liebt Brustfleisch) sind das Skelett und der restliche Organismus der Tiere nicht gewachsen; über 85 % aller Puten haben gegen Ende der Mast eine verformte Beinstellung und können sich kaum mehr fortbewegen.

Wer Genaueres darüber sowie über die schockierenden – offiziellen, routinemäßigen – Arten der Betäubung vor dem Schlachten wissen möchte, kann dies beispielsweise auf der einschlägigen Webseite der Albert Schweitzer Stiftung  tun. 

Industrielle Tierproduktion

Um das Bild von der „Nutztier“-Haltung im Landkreis zu vervollständigen, hier noch einige Zahlen: Im vergangenen Jahr im Landkreis in 316 Betrieben 60 972 „Stück“ - wie es beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ebersberg, bezeichnend heißt - Geflügel gehalten. In 245 landwirtschaftlichen Betrieben gab es insgesamt genau 36.761 Legehennen. Ihre Zahl habe sich damit in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Nicht weniger als 41 770 Rinder wurden im letzten Jahr im Landkreis gehalten. 530 Milchviehbetriebe erzeugten 125 000 Tonnen Milch. (Mit durchschnittlich 34 Kühen waren diese Betriebe tatsächlich relativ klein.)  Schließlich gab es 9480 Ferkel, Zuchtsauen und Mastschweine.
Auf einem Faltblatt des Amtes nennt sich das sehr richtig „Tierproduktion“.

Bettina Goldner, Juni 2013

Wasser-Privatisierung vom Tisch!

Rat und Europaparlament haben entschieden: Städte und Gemeinden müssen unser Trinkwasser nicht den Konzernen überlassen. Die Wasserversorgung wird aus der EU-Konzessionsrichtlinie ausgenommen. Hunderttausende haben die Europäische Bürgerinitiative gegen Wasserprivatisierung unterschrieben, Tausende haben zum Telefonhörer gegriffen oder für Zeitungsanzeigen gespendet. Der europaweite Bürgerinnen-Protest war erfolgreich!

B.G. - Juni 2013

Europäische Wasserpetition kann noch scheitern!

Die Initiative „Right 2 Water“ hat längst die geforderte Zahl (1 Million) an Unterschriften gegen eine mögliche Trinkwasserprivatisierung gesammelt - aber diese verteilen sich nicht in einer Weise auf die Länder, wie es den Vorgaben an eine solche Petition entspricht.

Allein in Deutschland wurden schon weit über 1 Million Unterschriften gesammelt, obwohl nur 74.000 nötig gewesen wären; in zwei anderen EU-Staaten ist das Quorum jedoch noch nicht erreicht.

Bis 1. November 2013 ist noch Zeit, den Brüsseler Anforderungen an ein europäisches Bürgebegehren nachzukommen. Dafür muss in mindestens sieben Ländern jeweils eine Unterschriften-Mindestzahl erreicht werden. Bisher ist das nur in fünf (Österreich, Belgien, Deutschland, die Slowakei und Slowenien) geschehen. 

"Basisdemokratie funktioniert in der EU nicht", folgern die Deutschen Wirtschafts Nachrichten mit dem Verweis darauf, dass von 14 EU-weiten Bürgerbegehren bisher kein einziges erfolgreich war: "Selbst wenn nämlich eine Intiative mit Massenzuspruch rechnen kann – die Mühe ist vergebens, weil die EU die Petitionen so angelegt hat, dass man praktisch keine Aussicht auf Erfolg hat."

B.G., Mai 2013

Schwarz-gelb blockiert Biotrend

Mit Glyphosat behandelte Wiese am Egglburger See - im Ökolandbau unvorstellbar! © r.will

Immer mehr Bio-Produkte werden importiert, obwohl wir sie auch hier hergestellen könnten. So kommen 28 Prozent der Bio-Kartoffeln, 25 Prozent der Bio-Eier und sogar 48 Prozent der Bio-Karotten aus dem Ausland. Die schwarz-gelbe Bundesregierung ignoriert ein Wachstumsfeld, das deutlich mehr Arbeitsplätze als die konventionelle Landwirtschaft schaffen, die Wertschöpfung im ländlichen Raum steigern und wichtige Impulse für den Umwelt- und Artenschutz setzen würde.
In einem Aktionsplan fordert die grüne Bundestagsfraktion demgegenüber eine konsistente, ressortübergreifende Politik, die den ökologischen Landbau in bäuerlichen Strukturen fördert und seine gesellschaftlichen Leistungen im Bereich Umwelt-, Klima-, Natur- und Tierschutz angemessen und verlässlich honoriert. Um die Wertschöpfung des Ökolandbaus weiter auszubauen, sollen regionale Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen ausgebaut werden.

B.G., Mai 2013

Nur Grüne im Landtag gegen industrielle Tierhaltung

Armes Schweinchen © www.animals-angels.de

Trotz Lebensmittelskandalen finden Ansätze zur Agrarwende nur wenige Befürworter

In Sonntagsreden preisen meist alle Politiker die Vorzüge einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft und artgerechter Tierhaltung. „Aber wenn es zum Schwur kommt, kneifen sie“, zeigt dich die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Anne Franke, erbost. Ihre Fraktion hatte zur Landtagssitzung am Dienstag einen Antrag eingebracht, die einzelbetriebliche Investitionsförderung an Bedingungen zu knüpfen – und damit industrielle Massentierhaltung auszuklammern. „Es ging dabei ja nicht einmal um ein Verbot der industriellen Massentierhaltung“, so Anne Franke, „sondern um eine Steuerung der Fördermittel in Richtung kleinerer Betriebe mit tiergerechter Haltung, zum Beispiel ohne Spaltenböden.“ Der Antrag fand genau 15 Befürworter – nämlich alle anwesenden Grünen-Abgeordneten. 34 Parlamentarier enthielten sich der Stimme. Und 104 stimmten explizit dagegen – unter ihnen auch die komplette CSU-Fraktion. „Die einzelbetriebliche Investitionsförderung wäre ein gutes Steuerungsinstrument zur Einschränkung der industriellen Fleischproduktion gewesen“, argumentiert Anne Franke. „Für eine echte Agrarwende stehen am Ende nur die Grünen.“

Von: Marie-Luise Thierauf Regionalbetreuung für die Landkreise Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein
Anne Franke, MdL Sprecherin für Verbraucherschutz, Ernährung und Gentechnik
Mitglied im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und im Ausschuss für Bundes- und Europaangelegenheiten

April 2013

Bundestag: Grüner Antrag gegen Wasserversorgung in Privathand gescheitert

Kostbares Gut © jonathan_keller www.pixelio.de

Durch die geplante EU-Konzessionsrichtlinie droht die schrittweise Privatisierung der Wasserversorgung auf indirektem Wege. Ein Antrag der Grünen im Bundestag, der sich diesem bedrohlichen Szenario entgegenstellte, wurde mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP abgelehnt. Im Einzelnen stimmten 212 Abgeordnete von CDU/CSU und 79 der FDP mit nein. Nur 5 Abgeordnete der CSU votierten für den Antrag. SPD, die Grünen und die Linke stimmten jeweils geschlossen mit ja (121, 60 und 62 Stimmen).

Lesen Sie hierzu Genaueres über das Abstimmungsverhalten der einzelnen Abgeordneten.

 

 

„Tierproduktion“ im Landkreis: Mehr als 100 000 „Stück“ im letzten Jahr

Artgerecht gehalten - auch bei uns die Ausnahme! © ph. goldner

Leserbrief zum Kommentar „Das Gewissen kauft mit ein“ sowie dazugehörigen Reportagen - EBE-SZ, 2./3. März 2013 

Ihr Kommentar zum Thema Lebensmittelskandale und die begleitenden Reportagen über Hofvermarktungen zeichnen ein Bild von lauter „glücklich gackernden“ Hühnern und „zufrieden grunzenden“ Schweinen in unserem Landkreis. Die Kühe hätten hier Namen und die Kälbchen dürfe man streicheln, bevor sie verwurstelt werden. Wenn wir nur alle bei unseren Direktvermarktungen einkaufen und Pferde-/ Gammelfleisch/verseuchte Hühnereier/Schimmelmilch etc. in den Supermarktregalen lassen würden, so der Tenor, dann wäre das Mensch-Tier-Verhältnis, auch in ernährungstechnischer Sicht, bei uns geradezu paradiesisch. (Mal ein Auge zugedrückt hinsichtlich der Viehtransporte, die leider auch durch das Ebersberger Idyll rollen.)


Die Zahlen des Landwirtschaftsamts
Aber nüchterne Zahlen zeigen eine andere Wirklichkeit. Ich zitiere aus einer Aufstellung auf der Homepage des Ebersberger Amts für Ernährung und Landwirtschaft, aus einem Faltblatt des Amtes sowie aus persönlichen Mitteilungen:  
­Ihnen zufolge wurden im vergangenen Jahr im Landkreis in 316 Betrieben 60 972 „Stück“ (wie es bezeichnend heißt) Geflügel gehalten. In 245 landwirtschaftlichen Betrieben gab es insgesamt genau 36.761 Legehennen. Ihre Zahl habe sich damit in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, vermerkt der Flyer stolz.
Nicht weniger als 41 770 Rinder wurden im letzten Jahr im Landkreis gehalten. 530 Milchviehbetriebe erzeugten 125 000 Tonnen Milch. (Mit durchschnittlich 34 Kühen waren diese Betriebe tatsächlich relativ klein.)  Schließlich gab es 9480 Ferkel, Zuchtsauen und Mastschweine.
Das Ganze heißt im Faltblatt „Tierproduktion“.
Richtig. Um was sonst handelt es sich?
Ich schätze, dass kaum eines der in qualvoller Enge gehaltenen und rasch zur Schlachtreife gemästeten Tiere je „glücklich gegackert“ oder „zufrieden gegrunzt“ hat.
Die Welt ist also auch bei uns alles andere als heil. Für sogenannte „Nutztiere“ weniger denn je.


Eigentlich ein Fall fürs Klimaschutzkonzept...
Übrigens stimmt es auch nicht generell, dass landwirtschaftliche Produkte aus dem Landkreis automatisch eine „gute Ökobilanz“ haben, wenn sie hier direkt vermarktet werden. Für sämtliche Lebensmittel vom Tier trifft das eben grundsätzlich nicht zu! Wegen des Methanausstoßes der Rinder, wegen des Einsatzes von Kraftfutter, für dessen Anbau Regenwälder abgebrannt wurden, wegen der Verwendung von Pestiziden und chemischen Düngemitteln, und nicht zuletzt weil durchschnittlich sieben pflanzliche Kalorien nötig sind, um eine „tierische“ Kalorie  zu erzeugen, haben Fleisch, Käse, Milch, Sahne und vor allem Butter vielmehr eine miserable Ökobilanz, fast egal ob sie direkt vermarktet werden oder aus dem Supermarkt stammen.
Folgerichtig müsste die Haltung der „Nutztiere“ eigentlich sogar in das   Klimaschutzkonzept des Landkreises einbezogen werden.

Bettina Goldner, 2. März 2013

 

„Einzige Rechtfertigung für die Jagd ist die konsumtive Nutzung“

Im niedersächsischen Landtagswahlkampf machten sich Schwarz und Gelb die Intreressen der Jagdklientel zu eigen.
Jäger wählen überwiegend Schwarz/Gelb. Diesmal (2013) es hat nichts geholfen...

Die mächtige Lobby einer kleinen Interessensgruppe – der Jäger, die gerade einmal 0,2% der Bevölkerung ausmachen – hat es bis heute verstanden, die Novellierung eines Gesetzes aus der Hitlerzeit zu verhindern: Unser Jagdrecht fußt weitestgehend auf dem 1934 erlassenen Reichsjagdgesetz, das die Jagd als Freizeitbeschäftigung, zur Eliminierung unerwünschter und Förderung erwünschter Tierarten und als Weg zum Trophäenkult ansieht.

Gedanken zu einem gesellschaftlich akzeptablen neuen Jagdrecht macht sich Helmut Brücher, bei Bündnis 90/ Die Grünen u.a. in den Bundesarbeitsgemeinschaften Ökologie und Tierschutzpolitik tätig und im nordrheinwestfälischen Umweltministerium Mitglied im AK Jagd und Naturschutz. Seine Vorschläge, die in ein neues Landesjagdgesetz in NRW eingehen könnten:

- Jagd sollte ausschließlich der Abschöpfung eines natürlichen Überschusses dienen. Hege und Prädatorenbekämpfung müssen verboten werden.

- Einzige Rechtfertigung für die Jagd ist die konsumtive Nutzung, also der Verzehr des Wildfleisches, nicht die Pelzgewinnung (vgl. Entwurf der Grünen zur Neuregelung des Tierschutzgesetzes von 2012). 

- Jadgzeit ist einheitlich Oktober bis Dezember.

- Vögel dürfen grundsätzlich nicht mehr bejagt werden, ebenso alle Rote-Liste-Arten sowie streunende Haustiere (jährlich werden derzeit ca. 40.000 Hunde + 450.000 Katzen abgeschossen).

 - Im Jagdrecht verbleiben noch Rothirsch- Reh- Damhirsch- Wildschwein.

- Quälerische Jagdmethoden wie Schrotschuss und Fallen werden verboten.

- Entsprechend einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte kann kein Grundeigentümer zu einer Mitgliedschaft in einer Jagdgenossenschaft   gezwungen werden. Wer aus ethischen Gründen die Jagd ablehnt, muss demnach auch nicht mehr dulden, dass auf seinem Grund Tiere erschossen werden.

Bettina Goldner, Februar 3013

Es geht auch anders!

Elend im Stall © tierrechtsinitiative deutschland

Dass eine andere Agrarpolitik möglich ist, zeigt der Koalitionsvertrag zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen in Niedersachsen.
Der Lapidar heißt es da beispielsweise: Eine Politik, die auf den weiteren Zubau großer Intensivtierhaltungsanlagen abzielt, wird abgelehnt. Entsprechende Stuerungsmaßnahmen sind geplant. Außerdem sieht der Vertrag unter anderem vor, 
- Natur- und Artenschutz als "integrale Bestandteile attraktiver Lebensräume" aufzuwerten
- den Ökolandbau bedarfsgerecht auszubauen
- ein Düngekataster zu erstellen und Nitrat- und Phosphatbelastungen durch Düngen deutlich zu reduzieren
- Eiweißpflanzen anzubauen, um Sojaimporte einzuschränken
- falsche Anreize beim Energiepflanzen-Anbau im Bundesrat zu bekämpfen
- ein landesweites Bienenweideprogramm aufzulegen und Niedersachsen absolut gentechnikfrei zu halten.

Im Bereich Tierschutz sind u.a. geplant:
- die Förderung von Tierheimen mit Landesmitteln
- eine Landesverordnung zur Katzenkastration
- das Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen
- ein hauptamtlicher Tierschutzbeauftragter der Landesregierung
- die Beendigung der Käfighaltung von Hühnern
- Verzicht auf das Amputieren oder das Verstümmeln von Tieren
- Verbot von Qualzuchten und Schenkelbrand
- Beendigung der betäubungslosen Ferkelkastration
- Begrenzung von Tiertransporten auf maximal vier Stunden
- Reduktion des Antibiotikaeinsatzes in den nächsten fünf Jahren um mindestens 50 Prozent.

Hier sind die Vorstellungen der Bundesgrünen von artgerechter Tierhaltung in der Landwirtschaft zusammengefasst. Und hier geht es zum Antrag fürs Bundestagswahlprogramm "Intakte Umwelt für alle" (BTW-U-01) mit den Grünen Vorstellungen zu Tierschutz/Tierrechten und Umweltschutz.

Bettina Goldner, Februar 2013

Neuer Fleischskandal - wann zieht der Verbraucher die Reißleine?

Als Hack unvorstellbar... beim Rind ist das anders © h. d. volz www.pixelio.de

Könnte schon sein, dass es zu einer "Deklarationspanne" gekommen sei, sagte Umwelt- und Gesundheitsminister Marcel Huber. Könnte sein, dass auch Rindfleisch aus bayrischen Kühlregalen mit Pferdefleisch vermischt wurde. Könnte auch sein, dass das Fleisch unerlaubterweise das Rheumamittel Phenylbutazon enthält, mit dem die Pferde behandelt wurden (ein Mittel, mit dem Pferde gedopt werden und das gefährliche Nebenwirkungen wie schwere allergische Reaktionen und Blutbildschäden verursachen kann.)

Und wenn ja?

Dann wird es schon einigen Bayern/ Oberbayern/Ebersbergern beim Gedanken grausen, dass ihre Tiefkühllasagne neulich mit niedlichem Pony befüllt war... Aber andererseits: Man hat ja schon vieles verdaut, so genau will man´s auch gar nicht wissen und überhaupt - dafür ist ja der Staat da, dass er Unrechtes wieder aus dem Verkehr zieht.

Oder sollten wir nicht endlich die Reißleine ziehen? Sollten wir uns nicht endlich eingestehen, dass die gesamte Fleischproduktion aus Massentierhaltung ein einziger Skandal ist? Dass es keinen Unterschied macht, ob da ein Hühnchen, ein Schwein oder ein Rind zu Tode gequält wurde ... oder "gar" ein Pferd in der Tiefkühltheke landete? Und dass es bei dieser maffiösen Industrie nicht anders zu erwarten ist, als dass ein Skandal den anderen jagt, vom Rinderwahn über Gammelfleisch zu Dioxineiern und Antibiotika im Hühnchen? Das Neueste sind übrigens fälschlich als Bioeier deklarierte Eier aus Massentierhaltung, die in großem Stil in den Handel gekommen sein sollen.

Bis "der Staat" etwas an diesen Strukturen ändert, können wir - solange nicht GRÜNE regieren - lange warten! Verbraucherin und Verbraucher sollten sich nicht länger von einer mächtigen Fleischlobby für blöd verkaufen lassen! Sie haben es mit ihrem Einkaufskorb im wörtlichen Sinn in der Hand, NEIN zu sagen zu ungesunden "Lebens"mitteln aus ausbeuterischen Qualhaltung. Sie - WIR - haben es in der Hand, die Produkte der Fleischmaffia zu boykottieren.

Lesen Sie bitte dazu einen Kommentar des Westdeutschen Rundfunks.

Bettina Goldner, Februar 2013

Fleisch mit Tier"schutz"siegel: eine Farce!

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und Thomas Schröder, Präsident der Deutschen Tierschutzbunds, präsentieren in Berlin der Presse das neue Fleischsiegel © dpa

Das neue Label „Für mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes e.V. ist reiner Etikettenschwindel. Die ARD-Sendung Report entlarvte das Gütesiegel als PR-Coup vor allem des Fleischkonzerns Vion, eines Partners des Tierschutzbundes, mit dem der Branchenriese seinen schlechten Ruf verbessern will. Das Politmagazin zeigte anhand von Filmen auf verschiedenen Höfen, wie Schweine leben müssen, deren Fleisch mit dem Zertifikat geedelt wird: Sie sind krank, waten im Kot und fressen sich gegenseitig an.

Ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung also! Verbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner, die zusammen mit dem Präsidenten des Tierschutzbundes Mitte Januar stolz das Label vorstellte, befindet sich wieder einmal in unheiliger Allianz mit Fleischindustrie und Tierausbeutern.

Bettina Goldner, Februar 2013

 

Krebsverdächtige Stoffe in Verpackung von Lebensmitteln

Mehr als 250 Substanzen, können aus Recycling-Kartons in Lebensmittel übergehen, unter ihnen krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Klebstoffe, Weichmacher und Photoinitiatoren. Dies ergab eine vom Bundesverbraucherministerium (BMELV) in Auftrag gegebene Studie. Vor Weihnachten hatte bereits die Stiftung Warentest krebsverdächtige Mineralölbestandteile in Schokolade aus Adventskalendern gemessen. Nun wurden hohe Mengen dieser Stoffe auch in vielen anderen Lebensmitteln festgestellt, die in Kartons aus Recyclingpapier verpackt waren – unter anderem in Reis, Gries, Backmischungen oder Frühstückscerealien. Den Abschlussbericht der Studie fand foodwatch e. V.auf einer reichlich versteckten Internetseite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Wohl angesichts der Aufregung über die Adventskalender-Befunde der Stiftung Warentest sei Ministerin Ilse Aigner nicht auf die alarmierenden Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchung eingegangen.

Foodwatch fordert Aigner deshalb auf, unverzüglich eine Barriereschicht für Verpackungen mit Recyclingkarton einzuführen, wie ihn auch die Autoren der Studie für unverzichtbar halten. Lebensmittel in Verpackungen, für die kein Unbedenklichkeits-Nachweis erbracht werden könne, müssten von den zuständigen Behörden aus den Regalen genommen werden, fordert foodwatch.

Bettina Goldner, Januar 2013 

"Deutschland ist Mastplatz Europas"

Demo für eine Agrarwende © Bündnis 90/Grüne

Unter dem Moto "Wir haben es satt" demonstrierten am 19. Januar in Berlin 25.000 Menschen gegen die derzeitige Agrarpolitik mit Massentierhaltung und Industrialisierung der Landwirtschaft.

Dazu Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen im Bundestag Volker Beck: "Millionenfaches Tierleid durch indiskutable Haltungsbedingungen, massiver Antibiotikaeinsatz und die Entstehung multiresistenter Keime, Artensterben und Klimawandel sowie die Verdrängung bäuerlicher Betriebe hier und in den Futteranbaugebieten - die Intensivtierhaltung hat unzählige negative Auswirkungen. Auch ist es eine Mär, dass die Tierhaltung in Deutschland einen Beitrag zur Sicherung der Welternährung leiste. Es ist höchste Zeit für ein grundsätzliches Umsteuern bei der Tierhaltung. Wir wollen deshalb die Intensivtierhaltung nicht länger mit öffentlichen Geldern fördern. Das Bau- und Immissionsschutzrecht wollen wir so ändern, dass Massentierhaltungsanlagen nicht länger privilegiert und ohne ausreichende Bürgerbeteiligung gebaut werden können. Und das Tierschutzgesetz muss ein weiteres Mal novelliert werden."

Hier der Parteiratsbeschluss  "Umweltverträglich, tiergerecht und gesund - für eine neue landwirtschaftliche Tierhaltung in unserem Land" vom 14. Januar 2013.

Boom der Agrarfabriken
"Deutschland ist Mastplatz Europas", sagen Friedrich Ostendorff, Agrarexperte der Grünen im Bundestag und die ehemalige Landwirtschaftsministerin in NRW, Bärbl Höhn zu diesem Thema. In einer neuen Studie weisen sie nach, dass die industrielle Tierhaltung in Deutschland mehr denn je boomt.
So wurden im Zeitraum 2009 bis 2012 bundesweit gut 38 Millionen neue Masthähnchenplätze beantragt beziehungsweise genehmigt und setzten sich damit die enormen Steigerungsraten der Vorjahre in dieser unseligen Branche fort: Zwischen 2003 und 2005 hatte die Zahl noch bei gut zehn Millionen gelegen. Von 2005 bis 2008 war sie bereits auf etwa 26 Millionen hochgeschnellt.
Vergleichbares gilt für die Schweinemast: Hier hat sich die Zahl der beantragten oder genehmigten Haltungsplätze gegenüber dem Zeitraum 2005 bis 2008 um 60 Prozent auf über 2,5 Millionen erhöht!

Von den knapp 2,5 Mio. in den letzten Jahren beantragten Schweineplätzen entfällt die Hälfte auf Niedersachsen, gefolgt von Thüringen und Bayern mit jeweils ca. 300.000 und Sachsen-Anhalt mit 250.000 Plätzen.  

Ergänzend einige erstaunliche Zahlen zur "Nutztier"-Haltung im Landkreis Ebersberg:
Im Jahr 2012 gab es Laut Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Ebersberg, hier nicht weniger als 245 Betriebe für Geflügelhaltung mit insgesamt über 60.000 Tieren. Außerdem wurden im Landkreis rund 9.500 Schweine und 42.000 Rinder (!) gemästet. Die Zahl der Schafe betrug gut 2.500. 

Bettina Goldner, Januar 2012

 

Der "Fleischatlas 2013" zeigt: Eine Wende in der Agrarpolitik ist überfällig!

So viel Fleisch isst ein Bundesbürger im Lauf seines Lebens © Heinrich Böll Stiftung

Heinrich-Böll-Stiftung und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) belegen in einem zusammen mit „Le Monde Diplomatique“ herausgegebenen „Fleischatlas“ die globalen Zusammenhänge der Fleischerzeugung und fordern eine Kehrtwende in der Agrarpolitik. Es gehe nicht an, dass nahezu ein Drittel der weltweiten Landflächen der Produktion von Viehfutter dienten, wodurch Kleinbauern in weniger entwickelten Staaten ihr Land und ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage verlören.
Geschuldet sei dies der (bei uns durch Exportsubventionen noch befeuerten) gigantischen Fleisch(über)produktion und und dem übermäßigen Fleischkonsum in Deutschland, Europa und dem Rest der industrialisierten Welt.
Die intensive Fleischproduktion ist qualvoll für die Tiere und belastet die Umwelt, so die Autoren des "Atlas". Sie erfordert den Anbau riesiger Mengen an Futtermitteln (Soja!), vor allem aus Argentinien und Brasilien – zu Lasten der dort lebenden Menschen, Tiere und Regenwälder. „Das Schnitzel auf unserem Teller geht also nicht selten auf Kosten der Ernährungssicherheit zahlreicher Menschen im Süden dieser Welt", kommentierte Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

„Ein Berg von Tieren“
Auch von den deutschen Agrarflächen dienen laut „Fleischatlas“ inzwischen fast zwei Drittel der Erzeugung von Futtermitteln. Und weiter:
Ein Deutscher isst in seinem Leben im Schnitt 1.094 Tiere, darunter 4 ganze Rinder, 4 Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner. Mit einem jährlichen Fleischverzehr von rund 60 Kilogramm essen die Deutschen doppelt so viel Fleisch wie die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. In den ärmsten Ländern der Welt liegt der Fleischkonsum unter 10 Kilogramm pro Jahr. Zugleich produzieren landwirtschaftliche Betriebe hierzulande etwa 17 Prozent mehr Fleisch als verzehrt wird.
Dieser Berg an Tieren kommt durch einen „fast unsäglichen Speiseplan“ (Utopia-Portal für Nachhaltigkeit) zustande: 85 Prozent der Menschen in Deutschland äßen täglich oder nahezu täglich Fleisch und Wurst! Der Anteil an Fleisch aus artgerechter Haltung bewege sich je nach Tierart zwischen nur einem und vier Prozent.

Nicht länger abfinden mit der Massentierhaltung will sich auch Misereor. Das katholische Hilfswerk hat eine umfangreiche Studie in Auftrag gegeben, die nach "Instrumenten für eine nachhaltige Fleischproduktion" sucht. Die Recherche kommt zu dem Schluss, Fleischproduktion und Fleischkonsum in Deutschland müssten deutlich gesenkt werden, und nennt diverse konkrete Handlungsvorgaben, um die Landwirtschaft in den Klimaschutz einzubinden.

Bettina Goldner, Januar 2012

 

BUND kritisiert Aigner

Gegen diese Antibiotika sind Bakterien in Masthähnchen resistent © Heinrich Böll Stiftung

Der im Artikel oben genannte "Fleischatlas" zeigt auch, dass bis zu zwei Drittel der Masthähnchen in Massentierhaltungsanlagen gegenüber bestimmten Antibiotika Resistenzen ausbilden, die auch für Menschen gefährlich sein können. Im weltweiten Ranking liegt Deutschland mit geschätzt etwa 170 Milligramm eingesetzten Antibiotika pro Kilo erzeugtem Fleisch auf einem der vorderen Plätze. Europaweit sterben im Jahr rund 25.000 Menschen aufgrund von Antibiotika-Resistenzen.
BUND-Vorsitzender Hubert Weiger kritisierte in diesem Zusammenhang Agrarministerin Ilse Aigner: "Deutschland scheint Exportweltmeister bei Hühnern und Schweinen werden zu wollen. Es werden weiter neue Megaställe gebaut, deren Förderung Fleisch beim Discounter scheinbar billig macht. Tatsächlich zahlen die Verbraucher einmal beim Kauf des Fleisches, dann mit Steuergeld für neue Ställe und Schlachthöfe und drittens für die Umwelt- und Gesundheitsschäden. Bundesagrarministerin Aigner hat es nicht geschafft, hier Veränderungen einzuleiten."
B.G. Jan. 2013

 

Bürger in Moosach und Umgebung sammeln Unterschriften gegen einen geplanten Maststall für bis zu 600 Schweine

foto©:Vier Pfoten-Stiftung fuer Tierschutz;pixelio.de

Nov. 2012: Waltraud Gruber, Fraktionssprecherin der Kreistagsgrünen und Direktkandidatin für den Landtag, unterstützt die Initiative "pro Moosach". Sie setzt sich generell für eine bäurliche Landwirtschaft ein. Mehr dazu lesen Sie hier

Zwei weitere Stellungnahmen zur geplanten Schweinemastanlage in Baumhau

Baumhau liegt im Regenwald
Die Entscheidung der Gemeinde Moosach für den Bau einer Schweinezuchtanstalt für 600 Tiere mag von den baurechtlichen Vorgaben her korrekt gewesen sein. Trotzdem ist es für jeden nachvollziehbar, wenn Anwohner sich weder mit dem dadurch entstehenden Geruch, noch dem Stallgebäude in der vermutlich grünen Wiese arrangieren können und dagegen aufbegehren. Indirekt - vielleicht auch direkt - entscheidet aber der Verbraucher. Er ist der eigentliche Anlass für den Bau dieser Schweinezucht: 55 Millionen Schweine werden von den Deutschen alljährlich vertilgt. Davon landet ein Drittel im Müll, als um die 18 Millionen Tiere, weil das Schweinfleischangebot offenbar zu groß ist. Ich würde jetzt daraus schließen, dass die Schweinemast in Bauhau völlig unnötig ist.
 Dass die Schweine in Zuchtanstalten oft unter grausamen Bedingungen aufwachsen, im Dauerstress stehen, sich gegenseitig aufgrund des Platzmangels verletzen, im großen Stil mit Antibiotika behandelt werden müssen, dürfte gut informierten Schweinfleischessen bekannt sein. Damit die Tiere in Rekordzeit ihr Schlachtgewicht von 115 kg erreichen, werden sie mit Kraftfuttergemisch gemästet, das im Durchschnitt 15 % Sojaschrot enthält. Damit stecken umgerechnet in jedem Kilo Schweinefleisch 540 Gramm Sojaschrot. Um diese Mengen Soja zu produzieren, wird Regenwald, ungefähr 45 Millionen Hektar sind es bis jetzt, abgebrannt oder gerodet. Zudem ist Dreiviertel dieses Sojas Gensoja. Der US-Konzern Monsanto überschwemmt die Welt mit Genpflanzen und tödlichen Herbiziden wie Roundup. Er tut alles dafür, damit der Schweinebraten auf deutschen Tellern, das Kilo günstig zu 5,90, zur Gesundheitsfalle wird. Ganz nebenbei erwärmt sich im Schweinsgalopp das Weltklima durch den zunehmenden CO2-Ausstoß, der durch den reduzierten Regenwald weltweit immer weniger abgebaut werden kann.
Jetzt treten wir wieder den Rückflug an, zur dringend notwendigenSchweinezuchtanstalt in Baumhau.


Rosemarie Will, November 2012

 

Vegetarier/Veganer können besseren Gewissens unterschreiben!

Schön, dass sich Anwohnerprotest gegen den geplanten Schweinemaststall in Baumhau regt. Mit Sicherheit kann man nämlich davon ausgehen, dass die bis zu 600 vorgesehenen Schweine in der 1200-Quadratmeter-Anlage alles andere als artgerecht gehalten werden. Auch die weiteren Argumente der Gegner stimmen: Es wird Geruchsbelästigungen geben, Verkehr und Umweltbelastungen werden zunehmen, weil Futter (weitgehend aus Monokulturen) angeliefert und Gülle abtransportiert werden muss, und der Freizeitwert der Landschaft wird leiden. 
Die Frage ist allerdings, ob diejenigen, die jetzt Flugblätter verteilen und Unterschriften leisten, sich auch aufregen würden, wenn eine solche Anlage andernorts – vielleicht nur ein paar Kilometer weiter – gebaut werden sollte. Ob  ihnen Tierleid und Umweltschäden dann auch wichtig wären?  

Anders gefragt: Wie viele der jetzt Betroffenen haben sich bisher schon einmal über tierquälerische Massentierhaltung erregt? Schließlich landen an die 50 Millionen Schweine jährlich auf deutschen Tellern, die allerwenigsten davon nach einem „erfüllten“ Schweine-Leben. (Deutschland konsumiert das eigene Produkt nicht nur, sondern ist nach den USA der weltweit größte Exporteur von Schweinefleisch.) 

Rund 25 Millionen Schweine warten in diesem Augenblick in deutschen Ställen auf ihren baldigen Tod. In ihrem sechsmonatigen Dasein geht es nur darum, ihnen so viele Kilogramm an den Bauch zu mästen wie ihre schwachen Beine (gerade noch) tragen können. Muttersauen werden den größten Teil ihres Lebens in Kastenständen und Abferkelkäfigen bewegungsunfähig gehalten und nach fünf oder sechs Schwangerschaften geschlachtet. Über die Qualhaltung der Tiere  bietet das Internet Lesestoff und Bilder ohne Ende. (z. B. bei http://albert-schweitzer-stiftung.de/ unter Infocenter, Massentierhaltung, Schweinemast). 

Wer keine Massentierhaltung samt allen ihren negativen Folgen vor seiner eigenen Haustüre will, sollte sie auch generell ablehnen. Am besten, glaubwürdigsten und konsequentesten, indem er kein Fleisch mehr isst. Dann kann er/sie auch guten Gewissens alle Aufrufe gegen den Bau von neuen Mastställen unterschreiben. 

Bettina Goldner, November 2012