Wir beGRÜNen Kirchseeon

Unsere Liste zur letzten Gemeinderatswahl

Herzlich Willkommen auf den Seiten des Kirchseeoner Ortsverbands!

 

Am 16. März 2014 war Gemeinderatswahl - zum vierten Mal in Folge haben wir deutlich zugelegt und sind nun mit Andrea Oberhauser-Hainer, Natalie Katholing und Rüdiger Za gleich dreifach vertreten. Sie alle und viele von uns stellen sich hier unter "Aktive" vor - dort sind auch die jeweils favorisierten Kontaktdaten vermerkt.

 

Zu den Neuigkeiten

Zu den kreisweiten Terminen

 

Historisches

 Unser Ortsverband wurde 1990 von Klaus Schöffel, Christoph Köhler, Rüdiger Za und einigen anderen Jugendlichen im Anschluss an die Aktivitäten zum Volksbegehren Das bessere Müllkonzept gegründet. 

 1996 zogen die Grünen mit Christoph Köhler als einzigem Vertreter - erstmals in den Gemeinderat ein.  Die damalige SPD Mehrheit war für einige der Grünen Anträge und Ideen durchaus aufgeschlossen. So konnten die Grünen in ihrer ersten Legislaturperiode erfolgreich das PVC Verbot erwirken oder die kommunale Verkehrsüberwachung einführen. Die eigentlichen Erfolge lagen aber vor allen Dingen darin, dass das Bewußtsein für Umweltfragen oder Nachhaltigkeitsgedanken in Finanzfragen, Umweltbelangen oder der Baupolitik bei den alteingesessenen Parteien geschärft wurde. 

 Seit der Rathausübernahme durch die CSU war die Erfolgsbilanz weit weniger erfolgreich. Obwohl die Grünen in den Kommunalwahlen 2002 mit 9,5% Stimmanteil ein zweites Mandat hinzugewannen, für siie saß die nächsten 6 Jahre zusätzlich Birgit Sedlaczek im Gremium, verschlechterte sich durch die neue CSU/FWG Mehrheit ihre Position zur Durchsetzung grüner Interessen im Gemeinderat. Zumindest schafften wir durch Aufbau eines Drucks in der Öffentlichkeit, dass die anfangs ersatzlos gekippte Baumschutzverordnung zumindest durch eine Satzung ersetzt wurde. Ferner prangerten wir öffentlich immer wieder die Spezlwirtschaft in der Baupolitik an und bemängeln die fehlende Aktivität in der Klimaschutz- und Umweltpolitik. 

 Bei den Kommunalwahlen 2008 steigerten wir den Anteil der Grünen auf 12,8 %, legten also abermals um 3,2% zu, verpassten aber ein drittes Mandat. Mit Christoph Köhler kam  Frank Költerhoff für die Grüne Liste in den neuen Gemeinderat.  

Mit Christoph Köhlers Umzug näher an die Alpen und vor allem seine Arbeitsstelle am Chiemsee haben wir zweifellos unseren langjährigen Kopf verloren. Doch auch diese Medaille hat eine zweite Seite, eine sehr sonnige sogar: Christiane König ist ihm im Herbst 2010 in den Gemeinderat nachgerückt und sorgt nun für frischen Wind.

Das wiederum war 2012 und 2013 wörtlich zu nehmen: Erst bliesen wir gemeinsam mit dem Verein zum Schutz des Kirchseeoner Südens der Gemeinderatsmehrheit und dem Straßenbauamt ordentlich in's Gesicht und erreichten die Einbringung unserer Tunnellösung für die B304 als gleichberechtigte Alternative neben der von uns klar abgelehnten Südumfahrung, dann ging es um den Wind selbst und die Konzentrationsflächenplanung für Windkraftanlagen, die Buch einzukesseln drohte. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, aber es sieht sehr danach aus, dass die Einkesselung vermieden werden kann und dennoch Anlagen in sinnvollem Abstand möglich sind.

 Auf diesen Seiten informieren wir Sie kontinuierlich über unsere Arbeit und unsere Vorstellungen, wohin sich die Gemeinde entwickeln soll. Wenn  Sie näheres erfahren möchten oder sich einfach einmal Luft machen wollen oder uns bei unseren Aktionen unterstützen wollen, wenden Sie sich direkt an ein(e) der Aktiven. 

Das organisatorische Rückgrat des Ortsverbandes bilden seit dem 07.02.2012 Lissi Drosta und Lars Krüger als Ortsvorstand.

1990-2005

Christoph Köhler - Aktivposten von 1990-2010

Im November 2005 feierten wir "grün Gelisteten" Kirchseeons unseren 15. Geburtstag.

Es wurde eine kleine Feier im JEK, auf der Gründungsmitglieder, Sympathisanten und Weggenossen erschienen und der noch jungen Partei die Ehre erweisen. Christoph Köhler, Gründungsmitglied und seit 1996 Gemeinderat, hielt die Rede, in der er 15 turbulente Jahre Parteigeschichte Revue passieren ließ.

Das Manuskript dieser Rede ist ein Zeugnis der Geschichte um das Werden dieses jüngsten Ortsverbandes der Grünen im Kreis. Sie ist im Folgenden abgedruckt.

Gründerzeit

Wir feiern heute ein Geburtstag: Die Grünen werden 15. Der OV hat mich auserkoren heute Abend etwas über die Geschichte der Grünen zu erzählen. Ich kenne zwar die Grünen nicht so gut aus der Gründerzeit. Wahrscheinlich könnte darüber Klaus Schöffel mehr erzählen, der Motor für die Bildung des Kirchseeoner Ortsverbandes war und gerade in den ersten 5 Jahren die meisten Aktivitäten entfaltete. Mein Blick galt damals - obwohl erster Ortsvorstand - mehr den jungen Frauen als den jungen Grünen. Vielleicht könnte Daniela Duda mehr über die heutigen Grünen erzählen. Denn sie hat mehr von dem sich ändernden Zeitgeist der erwachsen werdenden Grünen in sich. Denn ich trage immer noch den fundamentalistischen Sonntagnachmittagsrevoluzzer von 1990 in mir. Aber ich bin wohl der einzige, der die Kirchseeoner Grünen über 15 Jahre mehr oder wenig ständig begleitet und mitgeprägt hat. Und wer mich vom Gemeinderat her kennt, der weiß außerdem, dass ich gerne und viel rede und so habe ich dankbarst die Aufgabe angenommen, die Festrede zu halten.
Wir schreiben das Jahr 1990 ... Eine Gruppe von Jugendlichen - zwischen 18 und 25 Jahren alt - politisch denkend aber parteipolitisch unabhängig - engagiert sich für das Bessere Müllkonzept. Mit ungewöhnlichen Aktionen rüttelten wir die Kirchseeoner auf und motivierten sie, sich bei der Gemeinde in die Listen einzutragen. Am Grosso standen wir am Ausgang und schauten den Hausfrauen und Hausmännern in ihren Einkaufswagen, ermutigten sie abfallbewußter einzukaufen und boten ihnen an, als eine Art Ablass für zu viel Müll im Einkaufswagen, auf der Gemeinde für mehr Abfalltrennung statt Müllverbrennung zu stimmen. Auf dem rostigen VW Bus banden wir mit Schnüren Lautsprecher fest und beschallten Kirchseeon und den Landkreis mit der Ansage der Öffnungszeiten. Die Heckklappe ließen wir offen, um jederzeit aus dem mit 20 km/h dahintuckelnden Wagen springen zu können und den Passanten einen Zettel in die Hand zu drücken.
Das Volksbegehren ein Erfolg - in Kirchseeon brachten wir handvoll Jugendliche 15% der Bevölkerung dazu, sich in die Listen einzutragen. Der Volksentscheid scheiterte dann - die einzige Genugtuung: nicht in Kirchseeon.
Und wie geht's weiter, fragten wir uns? Unsere Nähe zu ökologisch sozialen Themen, der relative Erfolg der Republikaner in Kirchseeon bei den vorangegangenen Lantagswahlen trieb uns in die Hände von Klaus Schöffel, mit dem zusammen im Juli 1990 bei einem Glas Wein die Kirchseeoner Grünen gegründet wurden. Taufpate war Jürgen Phillips, der sich im Zusammenhang mit dem Besseren Müllkonzept schon einen landesweiten Namen gemacht hatte. Ein Großteil des Ortsverbandes bestand aus Mitgliedern, die nur wenige Zeit zuvor aus Vaterstetten ausgewandert waren. Und auch das ist typisch für die Grünen: kaum ist man Mitglied in der Partei wird man auch schon in den Vorstand gewählt. Als ich das erste Mal auf einer Kreisversammlung auftauchte fragte man mich gleich, ob ich in den Kreisvorstand wolle. Doch da rief Klaus Schöffel gleich auf: Der gehört nach Kirchseeon! Und so geschah es denn auch. Ich wurde zum ersten Ortsvorstand der neugeborenen Ortsgruppe gewählt.
Die Kommunalwahl war vorbei (mit einem Überraschungserfolg für Uschi Bittner). Die Aktivitäten des Neugeborenen Grünen beschränkte sich auf Strampeln und Schreien: In Initiativen und bei Landtags- und Bundestagswahlen zum Beispiel.
Wussten Sie schon, dass bei der ersten Landtagswahl, bei der in Kirchseeon die Grünen mitmischten, ein CSU Mitglied für die Grünen plakatierte? Wie das kam? Nun das war so! Zu den damaligen Zeiten hielten sich die Grünen noch an die Formalitäten. Brav plakatierten sie auf dem  ihnen zugewiesenen Platz auf den gemeindlichen Tafeln. Und was mussten sie nach wenigen Tagen feststellen. Ihre Plakate waren von der CSU überklebt worden. Mordio und Cetero schrien sie. Wir machten die Situation in der Presse bekannt und drohten an, gerichtliche Schritte einzuleiten um dieses Unrecht klarstellen zu lassen. Nur einen Tag später meldete sich bei uns der Ortsvorsitzende der CSU - Peter Kohl - und entschuldigte sich vielmals bei uns für das Versehen. Er bot an den Schaden selber zu beheben, fuhr in die Landesgeschäftsstelle der Grünen, um neue Plakate zu besorgen und stellte mit ihnen den alten Zustand wieder her.
In der Zeit von 1990-1996 spielte das Vorschulkind Die Grünen OV Kirchseeon hauptsächlich auf der Straße: Kein Volksbegehren bei dem sich nicht die Grünen vor Ort einmischten: Mehr Demokratie in Bayern, Gentechnik Volksbegehren, Abschaffung des Senats. Und oft arbeiteten wir dabei auch mit anderen Parteien zusammen - was man so als Zusammenarbeit bezeichnen kann. Mit viel Aufwand organisierten die Grünen 1995 bereits ein gentechnikfreies Frühstück am Marktplatz. Die SPD bot sich damals an, gemeinsam mit uns die Aktion durchzuführen. Was sie auch tat, zumindest für das Pressephoto war eine größere Anzahl von SPD Mitgliedern und Gemeinderäten erschienen. Die Aufbau- und Abräumarbeit blieb jedoch bei den Grünen hängen.
Andere Straßenspielchen: Die Grünen initiierten den Radlflohmarkt, veranstalteten die Wanderausstellung Alptraum Auto, beriefen die Bürgerforen Mc Donalds und Abholzung am Brettschneider Grundstück ein, stellten Anfragen an die Verwaltung. Doch die wenigen aktiven Grünen konnten nur weniges selber initiieren und konzentrierten sich deshalb darauf bei möglichst vielen Gelegenheiten personell mitzuwirken: Klaus Schöffel im B304 Arbeitskreis und der Bürgergruppe Iveco Gelände, wir alle bei den Aktionstagen von Mobil ohne Auto, oder der Herausgabe des Kirchseeoner Informationsblattes "Der Nonnenfalter"
Apropos Nonnenfalter:  Der Nonnenfalter war ein parteiübergreifendes Informationsblatt, welches in Geschäften in einer Auflage von 500 Stück ausgelegt wurde. An der Produktion beteiligt waren der Bund Naturschutz, der Frauentreff Eglharting und der Eine-Welt-Verein mundo unido.  Die Grünen beteiligten sich nicht als Partei, sondern als Mitglieder einer der genannten Vereine Auf der ersten Sitzung ging es um den Titel und Untertitel der künftigen Publikation. Der Titel: Nonnenfalter. Der Untertitel: Informationsblatt für Kirchseeoner Bürger. Der Frauentreff setzte sich dafür ein, dass ihre Klientel auch im Untertitel anzuprechen sei. Es solle heißen Informationsblatt für Kirchseeoner Bürgerinnen. Der damalige BN Vorsitzende Mathias Weiss äußerte sein Unbehagen. Beim nächsten Treffen konnte er seine Ablehnung begründen. Er habe im Brockhaus nachgeschaut. Das Wort Bürgerinnen gebe es überhaupt nicht. Es stellte sich jedoch heraus. Seine Ausgabe des Brockhaus stammte aus dem Jahre 1911!
Das Thema Auto und Mobilität spielte schon in der Gründerzeit der Grünen ein zentrales Thema. Zu der von den Grünen organisierten Ausstellung Alptraum Auto im Kirchseeoner Rathaus lud der Ortsverband an einem Informationsstand am Marktplatz ein. Zur Veranschaulichung bauten wir 20 Mineralwasserkästen auf, an den wir ein Schild anbrachten: Für eine Autowäsche. Große Diskussionen entzündeten sich an dieser Veranschaulichung der Wasserverschmutzung. Schließlich trinke doch niemand das Wasser, das bei einer Autowäsche anfiele, war immer wieder zu hören. Und dann war da noch der Fahrradkonvoi anlässlich des Aktionstages Mobil ohne Auto. Rund 50 Teilnehmer radelten auf der B304 von Kirchseeon nach Ebersberg um zu demonstrieren, dass man den Sonntag auch anders verbringen kann, als mit dem Auto durch die Gegend zu fahren und dabei die Umwelt zu schädigen. Ich selber nahm mit einem Liegerad an dieser Demonstration auch teil. Genervte Autofahrer hupten wie wild den Konvoi an und überholten in gefährlichen Überholmanövern die Radfahrer. Bei dieser Gelegenheit schnitt mich ein BMW Fahrer gefährlich und drohte mich in den Straßengraben abzudrängen. Mit meiner flachen Hand schlug ich gegen die Karosse des Fahrzeuges, der BMW wich aus. In Ebersberg erwartete mich bereits die Polizei. Der Fahrer wollte Anzeige erstatten - wegen Sachbeschädigung. Ich hätte seine Autofelgen zerkratzt, indem ich mit dem Fuß dagegen geschlagen hätte. Das wollte ich gleich im Protokoll festhalten lassen. Außerdem gab ich zu Protokoll, dass ich Gegenanzeige erhebe wegen grober Fahrlässigkeit und daraus entstehender Lebensgefährdung im Straßenverkehr. Der BMW Fahrer leugnete mich geschnitten zu haben. Ich hingegen gab die angeblich von mir verursachten Kratzspuren an seinen Felgen als Beleg dafür an, dass er mir verdammt nahe gekommen sein muss und demonstrierte dem Polizisten, dass man bei einer Fahrgeschwindigkeit von 20 km/h  auf einem Liegefahrrad  maximal 50 cm mit seinem Fuss ausschlagen kann. Dieser Abstand sei lebensgefährlich. Der Fahrer zog seine Anzeige zurück.  Damals verdiente ich mir also bereits meinen Ruf als Randlierer. Ein Bild mit Schlagstock wie angeblich von Joschka Fischer gibt es von mir jedoch nicht.
Eine besondere Qualität hatte die Auseinandersetzung mit den anderen Parteien. An drei Beispielen will ich Ihnen grüne Begegnung mit den Etablierten und nicht Etablierten schildern:
Als die Republikaner eine Versammlung zum Thema Überfremdung der deutschen Kultur beim damaligen Griechen im Alten Wirt abhielten, nahmen auch ein paar Grüne an der Veranstaltung teil. Wie es sich gehört wollten wir auf dieser Veranstaltung auch speisen. Wir riefen also den griechischen Wirt und bestellten zwei Portionen Gyros. Doch zu unserem Erstaunen mussten wir uns sagen lassen, dass wir nur Wiener Schnitzel haben könnten.
 Im Vorfeld zur Kommunalwahl 1996 ließ ich mich auch auf einer Veranstaltung der CSU sehen. Und weil ich damals den Hund meiner Bekannten, die in Australien waren, zur Pflege hatte, nahm ich diesen auf dem Spaziergang zum Lokal auch mit. Herr Miethaner wollte ihn zu gerne streicheln. "Tut der was", wollte von mir wissen. "Nein" antwortete ich, "Kato beisst nur CSU Mitglieder"
Und auch für Veranstaltungen der SPD interessierte ich mich. Diese fanden 1994 noch im roten Turm statt. Eine dieser Veranstaltungen besuchte ich mit meiner damaligen Freundin. Mit Interesse folgen wir den Berichten. In einer Pause verließen die Meisten der Anwesenden den Raum. Nicht wissend, dass es eine feste Sitzordnung gab, setze ich mich nach der Pause auf den nächstbesten freien Platz. Bald schon stand Bürgermeisterin Uschi Bittner vor mir und fragte, ob sie wieder auf ihren alten Platz könne. So schnell konnte ich gar nicht antworten, wie meine Freundin konterte. "Heute schon, aber wenn er erst einmal auf dem Bürgermeistersitz Platz genommen hat, gibt er diesen nicht mehr so schnell frei."
Den Bürgermeistersitz peilte ich nicht so schnell an. Aber zumindest einen Gemeinderatssitz. Und dies ließ nicht allzu lange auf sich warten. Denn schon 1996 erlangte ich als erster Grüner einen Sitz im Kirchseeoner Gemeinderat. Und den gab und gebe ich nicht mehr her. Jetzt begann die

Revoluzzer Zeit

1995 bereitete sich auch B90/Die Grünen Kirchseeon auf den nahenden Kommunalwahlkampf vor. Ein 20 seitiges Wahlprogramm als Mischung von landesweiten grünen Forderungen und negativen Erfahrungen mit der Gemeindepolitrik aus der Gründerzeit wurde erarbeitet. Die Kandidatenliste konnte nicht vollständig gefüllt werden, weswegen die beiden Spitzenkandidaten Christoph Köhler und Joachim Schüller Fuchs jeweils 3 Plätze auf der Liste einnahmen. Jedem Kandidat auf der Liste musste ich schon kurz nach der Aufstellungsveranstaltung zusichern, dass keine Gefahr bestehe jemals in den Gemeinderat einziehen zu müssen.
Der erste grüne Wahlkampf in Kirchseeon musste mit nur sehr wenig finanziellen Mitteln auskommen. Nur 1 Flyer wurde produziert. Den Druck von Plakaten konnten wir uns nicht leisten. Also kopierten wir unsere politischen Forderungen und wer wir sind auf DINA2 Plakate, die wir an die Plakatwände klebten. In die Mitte tackerten wir unser Gruppenfoto von dem wir bei Photo Lüscher in der Größe 9 x 13 Abzüge erstellen ließen. Doch diese Photos hatten Sammlerwert. Kaum nach einer Woche waren von der Hälfte der Plakatwände die Fotos säuberlich entfernt - nicht etwas heruntergerissen - nein die Heftklammern waren vorher herausgezogen worden. Und die Rahmenplakate ohne Photo klebten weiterhin unzerstört an der selben Stelle.
B90/Die Grünen erhielten im März 96 7,38% der Stimmen, Köhler zog freudig in das Kommunalgremium ein. Als ich 1998 für kurze Zeit erwog, nach Amerang bei Wasserburg umzuziehen, ging eine Unruhe durch die Kirchseeoner Partei - denn die unteren Plätze fürchteten, jetzt nachrücken zu müssen. Doch die Partei blieb verschont - sehr zum Leidwesen der politischen Konkurrenz.
Die Unruhe im Kirchseeoner Gemeinderat begann schon auf der konstituierenden Versammlung. Mit 7 Änderungsanträgen zur Geschäftsordnung schockte Köhler seine Ratskollegen: Hare Niemeyer Verfahren für die Ausschussbesetzung, Öffentlichkeit aller Ausschusssitzungen, Verankerung einer Jungbürgerversammlung in der Gemeindeordnung, Verankerung eines Rederechts für die Zuhörer im Gemeinderat, ... Und Köhler machte noch eins von Anfang an klar: Er ist kein Anhängsel der SPD. Deswegen wählte er J. Miethaner von der CSU zum Vorsitzenden des Rechnungsprüfungsausschusses, denn - das ist eine Kontrollaufgabe.
Das Abstimmungsverhalten nahm schon in der ersten Sitzung eigenartige Formen an. Die Anträge, die ich einbrachte waren den anderen Gemeinderatskollegen nicht bekannt. Und gerade die SPD Räte wussten nicht, wie sie stimmen sollten. Alle blickten auf Harry Blöchl. So sah dieser sich gezwungen, sich zu Wort zu melden, und zu erläutern welche Anträge die SPD - nicht er - die SPD - gut fände. Die anderen SPDler stimmten so, wie von Harry Blöchl vorgeschlagen.
Und wie begonnen, so setzte Köhler seine Arbeit fort. Der "Antragsstau" musste erst einmal abgearbeitet, das Althergebrachte hinterfragt werden. Die Alteingesessenen kamen in Erklärungszwang.
Antrag auf PVC Verbot, Kinderspielplätze statt Parkplätze, Einführung der kommunalen Verkehrsüberwachung, Einführung einer Umweltberichterstattung. Schon nach 3 Monaten erhielt Köhler ein Schreiben von Bürgermeisterin Uschi Bittner, dass die Verwaltung besseres zu tun habe, als die Anträge der Grünen zu bearbeiten. Kein Wunder. Es wurden seitenlange Abhandlungen darüber ausgearbeitet, warum die Vorschläge der Grünen so nicht zu realisieren seien. Und ein Jahr später waren sie dann wieder auf der Tagesordnung - diesmal als umformulierte SPD Anträge
Schon bald ging ich andere Wege. Nicht über eigene Anträge, sondern über Änderungsanträge zu anstehenden Beschlüssen, versuchte ich Einfluss zu nehmen: Hinterfragen kommunaler Bauvorhaben (Balkon für den Bauhof), Energiesparauto als Dienstwagen, Energiesparkonzepte bei kommunalen Bauvorhaben.
Die erste Haushaltsrede war eine Überraschung für Alle. Wieder stimmte ich nicht blind für den Plan der Gemeinde, sondern kritisierte unnötige oder finanziell überzogene Projekte der Gemeinde. Und noch eine Besonderheit wies meine Rede auf. Ein Zuhörer zählte 116 Ähs in nur 3 Minuten!
"I red mit". Die Grünen wollten ein Bürgerforum installieren. Gemeinderatsthemen sollten öffentlich diskutiert werden, um so einen Bürger-Einfluss auf Entscheidungen zu gewähren. Am Anfang saßen 3 Grüne alleine da. Dann saßen 5 Sozialdemokraten am Tisch mit einem grünen Gemeinderat. Und zum Schluss waren nur noch - manchmal vereinzelte Gäste da - ohne die Grünen. Denn das Forum musste wegen mangelndem Interesse aufgegeben werden. Aber die Presse kündigte es noch ein Jahr lang weiterhin an! Unterstützung juristisch, moralisch und politisch bekam ich vom Kirchseeoner Kreis, einem Kreis ehemaliger enttäuschter SPD Mitglieder, ohne dessen Hilfe ich nicht so schnell Fuß gefasst hätte. Die Grünen vom Ort hatten sich nach der Wahl personell weitestgehend verflüchtigt.
Das änderte sich erst, als aufgrund der Regierungsverantwortung in Bonn neue Mitglieder und Sympathisanten bei den Grünen auch in Kirchseeon erschienen: allen voran Birgit Sedlaczek, Beate Sommer Kiss und Hans Schreiner. In alter Tradition wurde Birgit, kaum bei den Grünen, in den Ortsvorstand gewählt. Und mit den neuen Leuten kamen die neuen Ideen. Zumindest gab es ab jetzt öfters gute Frühstücke, die den Zusammenhalt der Grünen förderten.
Kommunalwahlen 2002: Die Grünen wollen frischen Wind in den Gemeinderat bringen. Sie führen einen Wahlkampf, der die politische Konkurrenz erstaunen lässt. Mit einem nur geringen Etat stellen sie einiges auf die Beine: 2 Flyer an jeden Haushalt, 8 thematische Flyer, die auf der Straße an die Bürger verteilt werden, Plakate, die inhaltlich ständig wechseln. Auf der Podiumsdiskussion stahlen die Grünen der Konkurrenz die Schau. Besser vorbereitet, besser argumentiert - das war das einhellige Urteil. Die Grünen präsentierten sich als Grüne Liste mit eigenem Emblem, eigenem Programm, eigenen Plakat- und Flyerentwürfen, um sich von den  Bundesgrünen, deren Politik sie nicht mittragen wollten, abzuheben. Das Faschingsplakat Max Vielschnarch unser Kandidat für Platz 61 erregte viel Aufsehen. Wenn der Kirchseeoner wolle, dass im Gemeinderat weiterhin Meinungslosigkeit und Blockabstimmung vorherrsche, dann könne auch Max Vielschnarch gewählt werden. Abgebildet war Donald Duck, der die Füße auf den Tisch legt. Nicht alle Bürger wählten Max Vielschnarch. 10% wählten Grüne Liste, der einzige grüne Ortsverband im Landkreis der mit 2,5% Zuwachs zulegte. Mit Christoph Köhler zog als zweite Gemeinderätin Birgit Sedlaczek ins Gremium ein.

Zeit des Weltenfrusts

Doch obwohl die Grünen in dieser Wahl erheblich zulegten, hatte sich ihre Ausgangslage, um grüne Positionen durchzusetzen, erheblich verschlechtert. Denn gegen einen für alles ökologische vollkommen verschlossenen Bürgermeister, der eine satte CSU und FWG Mehrheit hinter sich wusste, verliefen alle Anregungen, Anfragen und Anträge im Sande. Ob die Verankerung der Jungbürgerversammlung in der Geschäftsordnung, ob die Konkretisierung des Leitbildes in der Bauleitplanung, ob ein Standortkonzept für den Mobilfunk, ob der Bezug von Ökostrom für kommunale Gebäude, ob eine wärmetechnische Isolierung kommunaler Gebäude, ob ein Blockheizkraftwerk für die Beheizung des Schwimmbades - alle Anträge der Grünen Liste scheiterten an der neuen Rathausmehrheit. Die Baumschutzverordnung wurde abgeschafft, selbst mit dem gemeindlichen Grünbestand wurde achtlos umgegangen, in Sachen Iveco Gelände bewegte sich nichts mehr, der Gewässerschutzplan wurde nicht umgesetzt.
Im Ortsverband machte sich eine gewisse Art von Galgenhumor breit. Und so entstand auf einem Spaziergang zu einer grünen Ortsversammlung im Moos die Idee der Kirchtanic: Kirchseeon wird untergehen - die politische Satireseite für Kirchseeon. Kirchseeon das unbeugsame Dorf, das der übermächtigen Bayern CSU Parole bietet. Jetzt endlich war es thematisiert. Leider die Entwicklungsarbeiten an der Seite zogen sich hin, so dass sie erst nach der Kommunalwahl 2002 tatsächlich ans Netz ging, als die Zeiten des unbeugsamen Dorfes leider längst Vergangenheit waren.
In diese Zeit fällt auch: Christoph entdeckt Linux. Und in mühevoller Kleinarbeit versucht er, den ganzen Ortsverband von den Segnungen eines Gates freien Betriebssystems zu überzeugen. Mit wechselhaftem Erfolg. Heute, wo sich anbahnt, dass die letzten Ungläubigen den Segen von Open Office und Gimp statt Absturz-Word und Viren-Outlook erkennen, hat Christoph jedoch schon ein neues Projekt: MAC
In alter Tradition engagieren sich die Grünen am Ort für wichtige Volksbegehren. "Aus Liebe zum Wald" und "Gesundheit und Mobilfunk" erreicht in Kirchseeon bayernweit gesehen Spitzenergebnisse (22%, 13%) . Beide werden von Grünen mitgetragen und durch aktive personelle Unterstützung vorangebracht. Bei der Europawahl erzielen die Grünen am Ort 16%, bei der Bundestagswahl fast 10%. Kirchseeon, das jahrelang grünes Schlusslicht im Landkreis war, manövriert sich zunehmend in eine grüne Hochburg.
Doch dann - 2004 - die erste Krise: Ein Riss geht durch die grüne Kirchseeoner Rathausfraktion. Bei der Standortwahl für das 4. Gymnasium stimmen Birgit Sedlaczek und Christoph Köhler unterschiedlich ab. Mit unterschiedlichen Argumenten begründen sie in der entscheidenden Sitzung ihre unterschiedliche Wahl. Die Zukunft der Ortsgrünen schien ungewiss. Heute können wir nur noch über diese Zeiten müde lächeln. Denn Köhler hat inzwischen seinen Irrtum erkannt und lehnt inzwischen auch die Flächennutzungsplanänderung ab: Aufgrund der katastrophalen Planungsgrundlagen, der Missachtung jeglichen Baumschutzes und Immissionsschutzvorkehrungen, der Verknüpfung des Gymnasiumbaus mit dem Bau  von 2 ATSV Sportplätzen muss er heute eingestehen, dass er ein Fehler begangen hat, als er Bgm. Ockels gegenteilige Zusicherungen vor einem Jahr ernst genommen hat.
So ist die Einheit wiederhergestellt und mit gestärktem Bewusstsein können wir in die Zukunft sehen. Und diese kann nur sein: Die Grünen müssen noch stärker werden.